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GPS-Störsender könnten US-Angriffe sabotieren

26.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die US-amerikanische Regierung hat auch im Afghanistan-Feldzug gerne darauf verwiesen, wie punktgenau ihre Bomben und Raketen ins Ziel trafen. Möglich wird dies, weil die ferngelenkten Waffen per Global Positioning System-Signal ins Ziel gesteuert werden können. Die Sache hat nur einen Haken: Diese Signale können gestört und die Raketen im äußersten Fall sogar umgelenkt werden.

Benötigt wird hierzu ein so genannter GPS-Jammer. Solche Gerätschaft gibt es im Internet für rund 40 Dollar zu kaufen. Die GPS-Jammer sind in der Lage, Signale, die von einem Satellitensytem kommen, zu stören. Bereits 1999 auf der Paris Air Show demonstrierte die russische Firma Aviaconversia einen vier Watt starken GPS-Jammer, der nur 19 Pfund wog und der in der Lage war, den GPS-Empfang im Umkreis von 100 Meilen zu stören.

Insbesondere seit sich die USA mit dem Gedanken trägt, den Irak zu bekriegen, wenden sich US-amerikanische Politiker nun der Problematik mit den GPS-Jammern zu. Das "Wall Street Journal" zitiert den Republikaner Joseph Pitts mit den Worten, man glaube, dass "Saddam Hussein nicht nur prinzipiell die Möglichkeit besitzt, GPS-Jamming einzusetzen, sondern dass er diese Technik auch nutzen wird".

Während im Afghanistan-Feldzug eine möglicherweise nicht akkurat ins Ziel treffende Rakete nicht unbedingt zu Opfern unter der Zivilbevölkerung führen mußte, sieht dies bei einem Angriff auf die Hauptstadt des Irak, Bagdad, ganz anders aus. Ein nur geringfügig abgelenkter Sprengkopf würde dann beispielsweise in eine Schule, ein Krankenhaus oder in einem öffentlichen Platz einschlagen.

Militärische Offizielle haben es bislang unter Verweis auf die Geheimhaltung abgelehnt zu sagen, ob es bisher schon einmal vorgekommen ist, dass Lenkflugkörper von ihrem eigentlichen Ziel ab- und in ein anderes gelenkt wurden. Sie geben allerdings zu, dass GPS-Jammer ein Problem darstellen, das Militärs sehr aufmerksam prüfen.

Eine Lösung wäre, das GPS-Signal erheblich zu verstärken. Allerdings müssten hierzu die im Orbit befindlichen Satelliten ausgetauscht und durch neue ersetzt werden. Solch eine Aktion dürfte aber zehn bis 15 Jahre dauern. Zudem wäre solch eine Austauschaktion auch ziemlich teuer, weswegen erste Schritte zur Erneuerung der Satellitenflotte bislang immer wieder aufgeschoben wurden. (jm)