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Gordon Moore fährt künftig mit

01.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - PCs im Auto waren bislang, wenn überhaupt, nur in den Nobelkarossen der Premiummarken zu finden. Künftig soll nun jeder Autofahrer einen PC ähnlich wie ein Autoradio nachrüsten können. Den entsprechenden Car-PC, den "Envader Mobile II" erhält er ab Herbst bei Medion.

Entwickelt hat den Envader die Inperio Systems GmbH in Zusammenarbeit mit ihrer Schwesterfirma Electronic Produktion and Distribution GmbH (EEPD). Nach Angeben der beiden Unternehmen aus Weichs bei München handelt es sich dabei um den ersten serienreifen PC, der dem 1-DIN-Format entspricht und damit in einen herkömmlichen Autoradioschacht passt. Die Bedienung erfolgt über einen 7 Zoll großen Touchscreen. Je nach Ausbaustufe soll das System zwischen 1500 und 2500 Euro kosten.

Neben der Möglichkeit zur Fahrzeugnavigation bietet der Envader Multimedia-Anwendungen wie das Abspielen von Musikdateien, Bild- und Videowiedergabe sowie den Zugang ins Internet und das Versenden und Empfangen von E-Mails. Eigene Anwendungen kann der User auf den Car-PC, der ein Windows XP Embedded als Betriebssystem besitzt, allerdings nicht aufspielen. "Der Envader, den Medion vertreibt, ist versiegelt", erklärt Christian Blersch, Geschäftsführer von EEPD. Damit will die Firma dem drohenden Support-Aufwand vorbauen, den sie befürchtet, wenn Otto-Normal-User den Geräten mit den üblichen Tipps und Tricks zu Leibe rückt. Offen sind dagegen die Systeme, die Inperio Systems an Geschäftskunden ausliefert. Sie lassen sich mit den entsprechenden Applikationen für Einsatzgebiete wie das Flotten-Management oder den Außendienst anpassen.

Technisches Herzstück des Envaders ist ein Intel-Prozessor mit 650 Megahertz, mit bis zu 512 MB RAM und 40 GB Festplattenkapazität. Zudem integriert das System ein DVD-Laufwerk. Der Monitor selbst besitzt noch einen Compact-Flash- und SD-Kartenslot für den Zugriff auf Multimedia-Inhalte sowie eine USB-Schnittstelle. Kontakt mit der Außenwelt, etwa zum E-Mail-Abruf, nimmt der Envader im Hotspot per WLAN auf. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, den Car-PC per Bluetooth mit einem Handy zu koppeln und so per GPRS oder UMTS Online gehen.

Für Hannes Schwaderer, Geschäftsführer von Intel Deutschland, ist der Car-PC nur ein erster Schritt auf dem Weg zur Konvergenz von Fahrzeugelektronik und PC-basierenden Infotainment-Systemen. Später, wenn Dual-Core-Prozessoren im Auto verbaut werden, könnte auch dort der IT-Trend zur Virtualisierung ein Thema sein. Dabei sind verschiedene Szenarien denkbar: Auf einem virtualisierten PC laufen zwei verschiedene Betriebssysteme, wobei eines für das Infotainment zuständig ist, während das andere die sicherheitsrelevanten Funktionen steuert. Oder es werden zwei redundante Betriebssysteme auf dem Rechner aufgesetzt. "Letztlich fährt im Auto Gordon Moore mit", so Schwaderer zu den künftigen Innovationszyklen der PC-Technik im Fahrzeugbau. (hi)