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CW-Kolumne

Googles verpasste Chance

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Der Volksmund sagt, eine Krähe hacke der anderen kein Auge aus. Microsoft und Google widerlegten diese Weisheit auf der CeBIT eindrucksvoll.

Zunächst trug Google-Chairman Eric Schmidt in seiner Eröffnungsansprache mächtig dick auf: Das Internet verbessere die Welt, für Diktatoren werde es künftig eng. Man müsse die digitale Wüste zum Erblühen bringen und den Menschen Zugang zum Web-Kosmos ermöglichen.

Leider saß der Verfasser dieser Zeilen nicht weit genug vorne, um herauszufinden, ob Schmidt Tränen in den Augen hatte. Ralph Haupter, Deutschland-Chef von Microsoft, zeigte sich jedenfalls ungerührt. Die Eröffnungsfeier war kaum zu Ende, da schickte Microsoft eine Pressemitteilung über den Ticker. "Ich hätte von Eric Schmidt zum Thema ‚Managing Trust‚ eine klarere Position erwartet", äußert sich Haupter darin. "In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt!" Das sei "schade", die IT-Branche müsse sich auch den unbequemen Fragen der digitalen Debatte stellen.

Tatsächlich hatte Schmidt mit keinem Wort erwähnt, dass die Zusammenlegung der Nutzerdaten von 60 Google-Diensten in Deutschland die Datenschützer auf den Plan gerufen hat. Am Vormittag desselben Tages noch hatte Bundesverbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner dieses Verhalten auf der Messe öffentlich kritisiert. Google handele hier seinen eigenen Aussagen und Versprechen zuwider.

Auch die Reform des Urheberrechts, die besagt, dass kommerzielle Nachrichtenportale im Internet (es geht vor allem um Google News) künftig eine Abgabe an Presseverlage zahlen sollen, wenn sie deren Artikel in ihr eigenes Angebot einbinden, ging am selben Tag durchs Netz.

Eric Schmidt verpasste die einmalige Gelegenheit, den deutschen und europäi-schen Zweiflern das Internet zu erklären. Er hätte darlegen können, warum der Daten- und Urheberrechtsschutz im Web-2.0-Zeitalter neu definiert werden muss - denn das ist ja wohl der Standpunkt von Google. Managing Trust lautete das CeBIT-Leitthema. Eric Schmidt war es keinen Satz wert.