Energie-Check

Google will Strom sparen helfen - aber was bringt es Konsumenten?

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Mit Googles Software "PowerMeter" kann der Energiekonsum einer Wohnung oder eines Hauses erfasst werden. Neben datenschutzrechtlichen Überlegungen kann man auch nach dem Sinn eines solchen Tools fragen.

Nicht nur die Profis in den Rechenzentren der Welt wissen oft nicht, wie viel Strom ihre Data Center verbrauchen. Auch Konsumenten haben meistens nur ungefähre Ahnungen vom Energiehunger ihrer im Haushalt benutzten Geräte. Hier dient sich Google mit einem Softwarewerkzeug namens PowerMeter an.

Wenn es nach Google geht, sollte in jedem Haushalt an jedem Gerät ein Stromzähler hängen - und alle Verbrauchsdaten lagern auf Google-Servern.
Wenn es nach Google geht, sollte in jedem Haushalt an jedem Gerät ein Stromzähler hängen - und alle Verbrauchsdaten lagern auf Google-Servern.

Das Tool erfasst über einen Stromzähler, wann welche Strommenge verbraucht wurde. Online kann jeder Nutzer von PowerMeter genau verfolgen, wann es in seinem Haushalt Stromspitzen gab und wann beispielsweise wenig Energie verbraucht wurde.

Um solche Zahlen zu ermitteln, arbeitet Google mit Industriepartnern zusammen. Dies ist auch der Grund, warum PowerMeter in Deutschland noch nicht angeboten wird. Denn hierzulande fehlen dem Suchmaschinenbetreiber noch Mitstreiter. Anders in den USA, Kanada und Indien. In diesen Ländern kooperiert Google bereits mit Stromversorgern.

Googles PowerMeter hat Vor- und Nachteile

PowerMeter hat Vorteile. Allerdings gibt es auch gravierende Einwände gegen solch ein System. Googles Tool greift die Daten von speziellen Stromzählern eines Haushalts ab und sendet diese Informationen an einen bei Google lokalisierten Server. Entsprechende Strommesser, die mit Googles PowerMeter-Tool zusammenarbeiten, bieten in den USA fünf sowie in Kanada und Indien je ein Energieversorger an. Via Internet kann der Nutzer so von jedem Ort der Welt den gesamten Stromverbrauch seiner Wohnung oder seines Hauses einsehen - wann im Laufe eines Tages beispielsweise Stromspitzen auftreten oder wann vergleichsweise wenig Energie verbraucht wird.

Allerdings ist PowerMeter nur unter Einsatz spezieller Strommesser in der Lage, auch einzelne Komponenten eines Haushalts wie PC, Drucker, Waschmaschine, Kühlschrank etc. und deren Stromkonsum zu überwachen. Auf diese Weise kann der Anwender Energievergeuder im Haushalt ausfindig machen. Die Leistungsaufnahme jedes im Haushalt verwendeten Geräts und auch aller Steckdosen muss dabei mittels eines geeigneten Stromzählers ermittelt werden.

Mit Herstellern solcher Messgeräte peilt Google deshalb weitere Kooperationen an. Hierzu zählt Itron, ein Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Stromzählern und anderen Überwachungstechniken spezialisiert hat. Mit ihm ist Google bereits im Gespräch.

Datenschutzbedenken in Deutschland

Allerdings scheint sich eine Zusammenarbeit zunächst einmal nur in den USA zu realisieren. Bei der Itron Zähler- und Systemtechnik GmbH in Hameln ist hierzu noch nichts bekannt. "Ich wüßte nicht, dass wir hierzu in Deutschland mit Google etwas Spezielles vereinbart hätten", sagt Firmensprecher Karsten Peterson. Richtig sei, dass praktisch alle Systemanbieter wie etwa auch Chiphersteller (Digitalstrom-Chip) nach Möglichkeiten suchten, Stromverbrauch punktgenau zu messen.

Peterson sieht zudem insbesondere in Deutschland erhebliche Datenschutzbedenken: "Den individuellen Stromverbrauch von Haushalten zu erfassen und die Ergebnisse dann an einen Server im Internet zu schicken, ist ein Thema, das in Deutschland ganz anders diskutiert wird als in den USA."

Was bringt PowerMeter dem Nutzer?

Zu fragen sei auch, ob bis auf Minutengenauigkeit ermittelte Energieverbrauche für Haushalte nicht dem berühmten "Mit Kanonen auf Spatzen schießen" gleichkomme. Pro Jahr verbrauche ein Ein-Personen-Haushalt im Durchschnitt rund 2500, ein Einfamilienhaus zwischen 4000 und 4500 Kilowattstunden. Die Einsparpotenziale für deutsche Privathaushalte seien auch bei genauer Analyse des Energiekonsums und die Verlegung etwa von Waschmaschinengängen in die Abendstunden eher gering. Peterson bezweifelt deshalb, dass sich Googles PowerMeter in Deutschland auf breiter Front durchsetzen könnte. (jm)