Continental-Chef

Google will ins Auto - und nicht ins Autobaugeschäft

26.10.2015
Firmen wie Google und Apple mischen die Autobranche auf - das ist bekannt. Doch dass Autos Teil des Internets werden, sei für die PS-Branche keine Götterdämmerung, meint Conti-Boss Degenhart. Er sieht für Googles Autointeresse dennoch ganz handfeste Motive.

Der Datenriese Google wird nach Einschätzung von Continental-Chef Elmar Degenhart kein Autobauer im großen Stil. "Ich glaube nicht, dass Google ernsthaft die Intention hat, jemals Autos selbst zu bauen", sagte der Vorstandschef des Autozulieferers und Reifenherstellers bei einem Besuch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Vielmehr sehe er bei dem US-Konzern einen anderen Antrieb. "Google versucht, auf andere Geschäftsfelder zu expandieren - auch, weil sie weiteres Wachstumspotenzial aufzeigen müssen. Und Google ist interessiert daran, das Auto als zusätzliche Informations- und Datenquelle zu erschließen", sagte Degenhart. "Der größte weiße Fleck der Internetnutzung heute ist das Auto." Da wolle Google hinein.

Conti-Chef Elmar Degenhart am Firmenstand auf der IAA 2015
Conti-Chef Elmar Degenhart am Firmenstand auf der IAA 2015
Foto: Continental

Degenhart rechnete vor, dass es heute weltweit etwa drei Milliarden Internetnutzer gebe. Sie seien pro Tag im Schnitt drei Stunden online. "Macht also pro Tag circa neun Milliarden Internetnutzerstunden. Für die Internetindustrie stellt eine Nutzerstunde - durch Werbung und Ähnliches - einen Gegenwert dar. Es geht hier für alle Anbieter, die das Internet nutzen, um einen Multimilliarden-Markt."

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Dem gegenüber stünden eine Milliarde Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, die im Schnitt eine Stunde pro Tag in Betrieb seien. "Das ergibt also ein theoretisches Zusatzpotenzial in der Internetnutzung von einer weiteren Milliarde Nutzerstunden pro Tag - wenn alle automatisch fahren und in der Zeit auch das Internet nutzen. Doch schon ein Bruchteil davon wäre interessant für die Internetindustrie."

Vor diesem Hintergrund ergebe es Sinn, dass Google an Roboterautos arbeitet und das Thema vernetzte Mobilität hoch hängt. "Das ist auch einer der wesentlichen Gründe für Google, die Automobilindustrie zu drängen, endlich mehr automatische Fahrfunktionen zu realisieren. Das tun sie sehr geschickt und bauen dabei gleichzeitig Image und Reputation auf als Technologieunternehmen", argumentierte Degenhart.

Conti beliefert Google bereits für deren Roboterautos, die der Internetgigant in den USA schon länger testet. Sie fahren nicht nur mit einem Autopiloten (automatisiert), sondern gänzlich ohne einen Fahrer (autonom). Degenhart hält Roboterfahrzeuge aber für ferne Zukunftsmusik. "In den nächsten zehn oder 15 Jahren werden wir in New York keine Roboter-Taxis ohne Lenkrad und Pedalerie sehen. Das ist Science Fiction, das ist Träumerei. Denn das dortige Verkehrsgeschehen wäre dafür viel zu komplex und unberechenbar."

Neben Google werden auch Apple Ambitionen rund ums Auto nachgesagt - und hartnäckig halten sich Gerüchte, es gebe eine Geheimkooperation mit Conti. Degenhart sagte dazu aber nur: "Wenn sich Firmen wie Apple entschließen würden, Autos zu bauen, wären wir von Continental als Systemlieferant interessiert, mit ihnen Geschäfte zu machen." Es gäbe dann aber eine Bedingung: Das Kunden-Lieferantenverhältnis gelänge nur dort, wo "wir nicht im Wettbewerb miteinander stünden". (dpa/tc)