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Eric Schmidt fordert Leserorientierung

Google will Freund von Zeitungen sein

09.04.2009
Von pte pte
Google präsentiert sich als "Freund" aller Zeitungen und reagiert auf die von der Associated Press (AP) angekündigten Maßnahmen gegen News-Aggregatoren.

Nachdem die AP im Zuge ihrer Jahreshauptversammlung für die Zukunft ein verschärftes Vorgehen gegen Internet-Anbieter, die unlizenzierten Content verwerten, angedroht hat, versucht Google-Chef Eric Schmidt nun zu beruhigen. Den häufigen Vorwurf, dass das Internet und speziell "Google News" die Urheberrechte der Zeitungen untergraben würden, will Schmidt so nicht gelten lassen. "Aus unserer Sicht gibt es immer eine Spannung rund um die Frage des 'fairen Gebrauchs' und dabei geht es um die Abwägung von Konsumenteninteressen", so der Google-Chef und ruft die Zeitungen dazu auf, im Sinne der Leserbedürfnisse zu denken.

Google-Chef Eric Schmidt
Google-Chef Eric Schmidt

Google selbst hat für seine News-Suche, die im Laufe der Jahre immer wieder in die Kritik geraten ist, mittlerweile zahlreiche Kooperationen erzielen können, zuletzt auch mit diversen Nachrichtenagenturen. Dennoch bleibt laut Branchenkennern die Frage im Raum, wer letzten Endes tatsächlich von diesen Partnerschaften profitiert - Google oder die Verlage. Schmidt zeigt sich jedenfalls verwundert darüber, dass viele Medien berichteten, die AP greife Google mit ihrer Ankündigung direkt an. Immerhin habe das Unternehmen erst kürzlich Lizenzvereinbarungen mit der Nachrichtenagentur getroffen und könne so die Artikel der AP rechtmäßig verwenden, betont Schmidt.

"Für die Verlage ist Google seit langem ein 'Frienemy', also Freund und Feind zugleich. Der Traffic-Gewinn über Google kann die werbegestützten Geschäftsstrategien der Zeitungswebsites positiv beeinflussen", meint Holger Kansky, Referent Multimedia beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), gegenüber pressetext. Die Verleger befürchteten jedoch auch, dass Google nicht nur für Reichweite auf ihren Angeboten sorge, sondern auch Werbegelder abziehe. "Durch die Ankündigung, dass Google in den USA auch Anzeigen neben den Suchergebnissen bei Google News schalten will, wird das sehr deutlich", so Kansky weiter. Google beharrte lange darauf, dass der Gebrauch der Nachrichtenschnipsel auf Google News ohnehin legal sei. Auch der gesteigerte Traffic auf den Zeitungs-Webseiten wurde immer wieder als Argument herangezogen.

Mittlerweile scheint eine gegenseitig vereinbarte Zusammenarbeit für Google in jedem Fall sinnvoller. Davon abgesehen, wäre es theoretisch für jede Zeitungen relativ einfach, die eigenen Inhalte von Google und Google News abzuziehen. Diese Möglichkeit haben allerdings nur sehr wenige jemals genutzt. "Die Verlage stehen vor der Wahl, die fortgesetzte Rechteverletzung im Internet zu tolerieren oder gegen sie vorzugehen", sagt Kansky. Insbesondere für Inhalte auf Zeitungsportalen biete der ACAP-Standard (Automated Content Access Protocol) ein einfaches Instrument, um die Verwendung von Inhalten individuell nach den eigenen Bedürfnissen zu regeln.

Obwohl Google auch in den vergangenen Tagen neuerlich in die Schusslinie einiger Vertreter der Medien- beziehungsweise Zeitungsbranche geraten ist, stellen vor allem jene News-Aggregatoren ein Problem dar, die überhaupt keine Lizenzrechte besitzen und komplette erste Absätze von Artikel bereitstellen, während Google sich meist auf Zeilen beschränkt. Ein Beispiel dafür bietet etwa xoorg.com - die Seite verlinkt auch nicht wie Google News auf die Originalquellen, sondern auf weitere eigene Pages. Erst in einem dritten Schritt gelangt der User zum ursprünglichen Text. AP, die für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang rechnet, will nun jedenfalls ein System entwickeln, das überprüft, ob der Content der Nachrichtenagentur legal im Web verbreitet wird. (pte)