Open Source

Google und Twitter arbeiten an Gegenentwurf zu "Instant Articles"

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Nachrichten und Artikel von Verlagen werden auf mobilen Endgeräten oft nicht schnell genug angezeigt. Nach Facebook wollen das jetzt auch Google und Twitter gemeinsam ändern.

Google und Twitter arbeiten laut verschiedenen Medienberichten gemeinsam mit großen Publishern wie denen hinter der "New York Times" oder dem britischen "The Guardian" daran, Verlagsinhalte innerhalb von Millisekunden auf die kleinen Displays der weltweit immer mehr und immer mehr genutzten Smartphones zu bringen. Anders als Facebook, das mit seinen "Instant Articles" bereits in dieser Richtung vorgeprescht war, solle die Initiative von Google und Twitter aber Open Source gestellt und damit auch für möglichst viele andere Unternehmen interessant werden, schrieb das Blog "Re/code" am Wochenende.

Technisch würde das offenbar im Wesentlich so funktionieren, dass Nutzer aus Google-Ergebnissen oder Twitter heraus gecachte Versionen der jeweiligen Inhalte serviert bekämen (anstelle der langsameren Originale vom eigentlichen Publisher), aber in jedem Fall in gleicher Anmutung und auch mit den gleichen Werbemitteln. Google und Twitter haben aber offenbar nicht vor, ihren Ansatz - der auch mit Blogs funktionieren soll, die mit WordPress laufen - ausdrücklich besonders zu vermarkten, so wie das Facebook oder auch Apple mit den kuratierten News im kommenden iOS 9 macht. Intern spreche man von "accelerated mobile pages", heißt es weiter.

Das Projekt soll später im Herbst offiziell angekündigt werden. Laut "New York Times" steckt es derzeit noch ziemlich in den Kinderschuhen und viele Detailfragen sind noch offen. Generelle Stoßrichtung ist aber wohl, das Web vor der Kannibalisierung durch mobile Apps zu retten und Publisher von proprietären und abgeschlossenen Systemen wegzulotsen, wie sie neben Facebook und Apple auch Snapchat entwickelt. "Google und Twitter fürchten zu Recht, dass Publisher anfangen werden, Dinge spezifisch für Facebook zu tun, und dass sie dabei ins Hintertreffen geraten", kommentiert Google-Kenner Danny Sullivan, Founding Editor von "Search Engine Land".

Introducing Instant Articles, a new tool for publishers to create fast, interactive articles on Facebook.

Posted by Facebook Media on Tuesday, May 12, 2015

Je mehr Zeit Leute mit mobilen Endgeräten verbringen, desto weniger nutzen sie das Web. Smartphone-User in den USA - die mit so was uns hier in Europa meist ein Jahr bis 18 Monate voraus sind, Anm. d. Red. - werden heuer voraussichtlich 81 Prozent ihrer Zeit in Apps und nur noch 19 Prozent im mobilen Web verbringen, schätzt "eMarketer". Gleichzeitig gewinnt das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook für Medienhäuser immer mehr an Bedeutung: Im Juli überholte Facebook mit 40 Prozent Anteil am Referral-Traffic erstmals Google (38 Prozent) als wichtigsten Leserbringer. Gerade mal zwei Jahre ist es den Marktforschern von Parse.ly zufolge her, dass Facebook erst bei zwölf Prozent Anteil lag.

Nach Einschätzung der unabhängigen Medienexpertin Vivian Schiller, die in der Vergangenheit schon als Managerin für Twitter, NBC und "The Times" arbeitete, ist das von Google vorgeschlagenene neue Format aber kein Heilmittel für die Publisher. "Facebook ist derart dominant, dass sie immer noch Publisher nötigen können, Instant Articles bereitzustellen", zitiert die "NYT" die Branchenkennerin. "Außerdem löst das nicht das andere Problem für Verleger, nämlich das Social Media die neue Home Page ist."