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Zuerst für YouTube

Google trennt Google+ wieder von seinen Konten

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Google hat auf seine Nutzer gehört und zwingt sie künftig nicht mehr, ein Profil bei Google+ als zentrale Identität für alle Google-Services zu verwenden.

Das kündigt Bradley Horowitz, der als Vice President aktuelle für Streams, Photos und Sharing zuständige Google-Manager, im Firmenblog an. "Die Menschen haben uns gesagt, dass der Zugang zu all ihrem Google-Zeug mit einem Account das Leben sehr viel einfacher macht", schreibt Horowitz. "Wir haben aber auch gehört, dass nicht das Google+-Profil die Identität für alle anderen Google-Produkte sein sollte, die man benutzt."

Foto: Google

In den kommenden Monaten werde wieder wie schon in der Vergangenheit ein Google-Konto ausreichen, um die unterschiedlichen Angebote des Internetriesen zu nutzen, schreibt Horowitz. YouTube (das seine Kommentare auf Google+ zwangsumgestellt hatte, um Trollerei zu reduzieren) werde diese Änderung als einer der ersten Services bekommen. Ein Google-Konto werde - anders als ein öffentliches Google+-Profil - wie gehabt weder suchbar noch folgbar sein. Nutzern, die bereits ein Google+-Profil angelegt hätten, Google+ aber eigentlich gar nicht benutzen wollten, werde Google bessere Möglichkeiten an die Hand geben, diese Profile zu verwalten und zu entfernen.

Auch sonst solle Google+ "fokussierter" werden, so Horowitz weiter. Dazu soll der Social Layer - jetzt ist von "interest-based social experience" die Rede - einerseits neue Funktionen bekommen wie die kürzlich eingeführten Collections, gleichzeitig sollen andere Funktionen dorthin verschoben werden, wo sie besser hinpassen und eigentlich hingehören. Die Fotoverwaltung hatte Google ja bereits in eine Standalone-App ausgelagert, künftig soll auch Location-Sharing in Hangouts und anderen Apps stattfinden.

"Wir werden diese Änderungen schrittweise über mehrere Monate hinweg ausrollen", heißt es weiter. "Sie kommen zwar nicht über Nacht, sind aber für die Google-Nutzer richtig - sowohl für die, die jeden Tag auf Google+ sind, als auch für die, die Google+ nicht nutzen."

Spätestens nach dem Abgang des früheren Google+-Verantwortlichen Vic Gundotra waren immer wieder Gerüchte über ein Ende des Dienstes aufgekommen - dass sich der nicht so entwickelt hat wie von Gundotra-Google geplant, ist klar. Und auch wenn Horowitz jetzt noch einmal betont, dass es Google+ weiterhin geben wird, muss die Frage erlaubt sein, wozu der Dienst künftig noch gut sein soll. Eine überzeugende Antwort darauf gibt es aus Mountain View aktuell weniger als je zuvor.