Android-Smartphones, Patente, Settop-Boxen

Google kauft Motorola Mobility: Die Chancen und Risiken

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die Übernahme des achtgrößten Smartphone-Herstellers für 12,5 Milliarden Dollar durch Google wirft eine Reihe von Fragen auf.
Bleibt Motorola ein OEM-Partner unter vielen?
Bleibt Motorola ein OEM-Partner unter vielen?

Mit der milliardenschweren Übernahme hat Google auch die Redakteure der COMPUTERWOCHE im feiertagsberuhigten Bayern kalt erwischt. Nach der Zusammenfassung der Fakten präsentieren wir eine Analyse des geplanten Zukaufs.

Liest man die offizielle Erklärung von Google, erscheint der Deal mit Motorola Mobility sonnenklar: Mit der Übernahme stärke Google sein Patentportfolio, um Android besser vor wettbewerbsschädlichen Angriffen von Apple, Microsoft und andere Unternehmen zu schützen, erklärt Google-CEO Larry Page im Google-Blog. Die Akquisition ändere jedoch nichts an der Verpflichtung, Android als offene Plattform zu betreiben. Motorola bleibe weiterhin Lizenznehmer von Android - neben den zahlreichen anderen Partnern - und werde als unabhängiges Business weitergeführt, versprach Page. Unterm Strich werde die Kombination von Google und Motorola nicht nur Android Auftrieb geben, sondern auch den Wettbewerb fördern und den Konsumenten eine beschleunigte Innovation, größere Auswahl und wunderbare Benutzererfahrung ermöglichen. Verstärkt wird der Eindruck durch eine spezielle Website, auf der HTC, Samsung, Sony Ericsson, LG und ZTE in fast gleichlautenden Statements den Deal begrüßen.

Während die Google-Belegschaft durch die Übernahme von 20.000 Mitarbeitern um zirka 60 Prozent wachsen soll, stehen also im Zentrum des Deals die rund 17.000 Patente und 7500 Patentanträge. Diese will Google quasi als "Rat Poison", Rattengift, einsetzen, um sich und seine OEM-Partner vor den zunehmenden Patent-Attacken gegen Android zu schützen. Der Schritt kommt nicht von ungefähr: Der Internet-Riese stand unter Zugzwang, nach dem er erst vor kurzem bei einem Bieterrennen um Nortel-Patente gegen Apple und Microsoft den Kürzeren gezogen hatte. Berichten zufolge soll unter anderem auch Microsoft Interesse an Motorola Mobility gezeigt haben, allerdings nur an den Patenten, ohne das Hardwaregeschäft.

Von Analysten wird der Deal weitgehend positiv bewertet: IDC sieht durch den neuen Mutterkonzern gute Chancen für die Weiterentwicklung von Motorola Mobility. Google wiederum habe durch das Patentportfolio die Möglichkeit, einige Klagen erfolgreich abzuwehren. Interessant sei in Hinblick auf Google TV auch der Aspekt, dass die Company mit Motorola auch den Bereich Settop-Boxen erhalte.

IDC sieht aber auch die Möglichkeit, dass andere Marktteilnehmer, insbesondere Microsoft und Nokia, von der Übernahme profitieren werden. Insbesondere Samsung, HTC und Sony Ericsson könnten ihren Fokus auf andere Plattformen richten, um ihre Abhängigkeit von Android zu reduzieren, wobei längerfristig auch Windows Phone ins Spiel komme. Letztendlich glauben die Analysten von IDC aber nicht, dass Google Android abschottet oder nur noch exklusiv für Motorola verfügbar macht. Erklärtes Ziel Googles sei es, über die Android-Plattform die Umsätze im mobilen Umfeld zu steigern und nicht Lizenzerlöse zur primären Einnahmequelle zu machen.

Gartner-Analyst Philip Redman wiederum verweist darauf, dass in der Mobilfunkindustrie das Szenario, gleichzeitig Partner und Wettbewerber zu sein, noch nie geglückt sei, Interessanter ist für ihn jedoch die Frage, wie die Carrier auf den Deal reagieren. Diese sehen in Google zunehmend einen Rivalen, der am liebsten auch noch das Content-Delivery übernehmen würde.