Partnerschaft für Autonomes Fahren

Google hilft Honda in die Spur

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Der japanische Autokonzern Honda will offenbar Googles Technologie für Autonomes Fahren in einigen seiner Fahrzeuge testen. Die Unternehmen sind noch in Verhandlungen. Käme der Deal zustande, wäre Google in dem Bestreben, Partner aus der klassischen Autobranche zu finden, einen großen Schritt vorangekommen.

Seit Jahren arbeitet die Google-Mutter Alphabet an selbstfahrenden Autos. Erst vor ein paar Wochen hatte sie die dafür entwickelte Technologie unter der Marke "Waymo" in einer eigenständigen Tochtergesellschaft der Holding gebündelt. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, wollen Google und Honda nun gemeinsam die Sensortechnik und Software von Waymo testen. Die Verhandlungen befinden sich Insiderkreisen zufolge in einem "mittleren Stadium".

Kleine Autobauer sind dankbare Google-Partner

Ein bisschen mehr als Googles Blechbüchsen-Design dürfte Hondas Designern bis 2020 schon einfallen.
Ein bisschen mehr als Googles Blechbüchsen-Design dürfte Hondas Designern bis 2020 schon einfallen.
Foto: Blair Hanley Frank, IDGNS

Waymo hat derzeit 58 selbstfahrende Autos auf den US-amerikanischen Straßen unterwegs, Anfang 2017 sollen 100 Mini-Vans hinzukommen. Dieses Projekt will der Technologiekonzern gemeinsam mit dem Partner Fiat Chrysler Automobiles voranbringen. Google verfolgt offenkundig die Strategie, sich mit kleineren Automobilkonzernen zu verbünden, deren Budgets für Forschung und Entwicklung überschaubar sind. Diese Konzerne sind oftmals froh über einen finanzstarken Technologiepartner. Anbieter wie General Motors, Ford, Toyota oder Volkswagen haben indes tiefere Taschen und fühlen sich nicht auf die Silicon-Valley-Giganten angewiesen.

Gibt es 2020 selbstfahrende Hondas?

Honda hatte angekündigt, 2020 erste Autos mit eingeschränkten Fähigkeiten für Autonomes Fahren herauszubringen. Dem Wall Street Journal zufolge haben die Japaner nun signalisiert, dass eine Partnerschaft mit Waymo dazu führen könnte, 2020 bereits vollwertige autonom fahrende Fahrzeuge anbieten zu können.

Derzeit findet ein Wettrennen zwischen traditionellen Autobauern und Technologiekonzernen wie Waymo und Uber statt: Wer hat zuerst selbstfahrende Autos am Start? Technische Sprünge im Bereich der Künstlichen Intelligenz und der Elektromobilität schaffen die nötigen Voraussetzungen. Einige Autobauer entwickeln selbst, andere hängen sich an die IT-Konzerne an - zum Beispiel Volvo, das mit Uber zusammenarbeitet. Als dritte Kraft kommen ambitionierte Zulieferer wie Delphi oder Bosch dazu, die ebenfalls entsprechende Projekte laufen haben.

Rückschlag für Uber

Insbesondere für Uber gab es dieser Tage heftigen Gegenwind: Das Startup hatte 16 selbstfahrende Autos auf San Franciscos Straßen entlassen, wurde dann aber von den Behörden zurückgepfiffen, weil keine offizielle Genehmigung vorlag. Uber suchte daraufhin zunächst den Konflikt: Die gesetzliche Definition dessen, was in Kalifornien unter Autonomem Fahren zu verstehen sei, entspreche nicht dem, was Uber vorhabe und sei damit auch nicht bindend, argumentierte das Unternehmen. Gestern Morgen rief Uber dann aber doch bei der California State Transportation Agency an, um mitzuteilen, die Fahrzeuge seien wieder von den Straßen geholt worden. Ohne staatliche Genehmigung werde man derlei Vorstöße künftig unterlassen.

Eigentlich kostet Uber eine Genehmigung nicht viel mehr als eine Gebühr von 150 Dollar und ein bisschen Schreibarbeit. Doch es gibt eine Vorschrift, die Uber vermutlich zum Einlenken bewogen hat: Alle Unfälle, in die Autos verwickelt sind, egal ob im selbstfahrenden Modus oder nicht, werden von der Behörde registriert und online gestellt. Würden die Uber-Fahrzeuge also einen Unfall bauen, wären sofort die breite Öffentlichkeit und die Presse alarmiert.