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Buchsuche

Google hat schon über 10 Millionen Bücher gescannt

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Bei einem Round Table für die Presse in München bemühte sich Google gestern, mit Fakten und Meinungen von Beteiligten etwas mehr Sachlichkeit in die Diskussion um seine Buchsuche zu bringen.
Eigens per Videokonferenz zugeschaltet wurde Annette Kroeber-Riel, Google-Cheflobbyistin in Berlin
Eigens per Videokonferenz zugeschaltet wurde Annette Kroeber-Riel, Google-Cheflobbyistin in Berlin

Es gab in letzter Zeit reichlich Verwirrung und Desinformation zum Thema Google Book Search. Das liegt mit daran, dass die Buchsuche eigentlich aus zwei Programmen besteht, die miteinander wenig bis nichts zu tun haben (das Bibliotheks- und das Partnerprogramm nämlich). Vor allem aber liegt es an der grundsätzlich anderen Situation und Rechtslage in den Vereinigten Staaten.

Ein paar nackte Zahlen: Google hat aktuell bereits mehr als 10 Millionen Bücher digitalisiert und volltextindexiert. Dieser Index fließt im Rahmen der sogenannten Universal Search seit einiger Zeit auch in die Ergebnislisten von Internet-Suchen bei Google ein. Gut 1,8 Millionen von den 10 Millionen Titeln kommen von Partnern, das sind üblicherweise Verlage.

Google stellt übrigens weder in den USA noch in Deutschland urheberrechtlich geschützte Bücher komplett ins Netz. Der Konzern tut freilich gern so, als agiere er rein philanthropisch und wolle nur das in so vielen Büchern verborgene Wissen der ganzen Menschheit möglichst einfach zugänglich machen. Dem ist natürlich nicht so - Google ist (auch) eine ganz normale Firma, die Geld verdienen will. Möglichst viel natürlich.

Google hat deswegen sehr frühzeitig damit begonnen, mit großen US-Bibliotheken zu kooperieren und deren Bestände zu digitalisieren. Weil Google natürlich wusste, dass das sonst jemand anderes macht. Amazon.com zum Beispiel. Oder Microsoft.

Google hat dabei einfach alles digitalisiert, was ihm vor den Scanner kam - nur in den USA wohlgemerkt. Auch Bücher, die noch urheberrechtlich geschützt sind. Darunter waren hier und da auch Werke deutscher Autoren. Deswegen gab es in der hiesigen Presse eine ziemliche Aufregung. In Deutschland hat Google im Rahmen des Biblitoheksprogramms aber ausschließlich sogenannte gemeinfreie Bücher digitalisiert, die keinem Urheberrecht mehr unterliegen.

Dass Google die Erfassung noch urheberrechtlich geschützter Werke in den USA überhaupt gewagt hat, geht auf das dortige Rechtskonstrukt eines "fair use" zurück. Google hat dieses proaktiv zu seinen Gunsten ausgelegt. Daraufhin gab es im Jahr 2005 Sammelklagen ("class action suits") von Autoren und Verlagen, die fair use anders auslegten. Auch die Sammelklage ist ein US-amerikanisches Konstrukt ohne Entsprechung im deutschen Recht.

Nach jahrelangen zähen Verhandlungen erreichte Google im Herbst 2008 dann einen Vergleich bezüglich der US-amerikanischen Sammelklagen. Dieser Vergleich ist allerdings umstritten. Ob er in Kraft tritt, darüber soll am 7. Oktober entschieden werden. Eine mögliche breitere Ermittlung der unter Präsident Barack Obama neu aufgestellten US-Kartellbehörden gegen Google könnte diese Entscheidung aufschieben.

In Deutschland hat die Verwertungsgesellschaft VG Wort angekündigt, gegebenenfalls die in den USA verletzten Urheberrechte deutscher Autoren stellvertretend geltend zu machen, sprich von Google Geld einzusammeln und dieses dann an die hiesigen Urheber auszuschütten. Ob es dazu kommt, hängt davon ab, ob der Vergleich durchgeht und ob Google mitspielt. Laut der in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) für die Buchsuche zuständigen Google-Frau Annabella Weisl befinden sich beide Seiten gegenwärtig in einem "konstruktiven Dialog".