Chrome OS

Google greift Microsoft an - Konkurrenz für Windows

09.07.2009
Der Internetkonzern Google greift den Windows-Riesen Microsoft mit einem eigenen Betriebssystem frontal an.

Erste Rechner mit dem Google "Chrome OS" sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 auf den Markt kommen, kündigte das Unternehmen in seinem offiziellen Firmenblog an. Das System sei grundsätzlich für alle Geräte von Mini-Notebooks bis zu großen Desktop-Rechnern gedacht. Zunächst solle es aber auf den auch Netbooks genannten Mini-Notebooks zum Einsatz kommen. Im Mittelpunkt steht das Internet, das schnell und sicher zugänglich sein soll.

Chrome OS wird ein Unterbau für den Google-Browser Chrome, der bislang noch keine signifikanten Marktanteile erobern konnte.
Chrome OS wird ein Unterbau für den Google-Browser Chrome, der bislang noch keine signifikanten Marktanteile erobern konnte.

Google geizte bei der Ankündigung nicht mit Versprechen. "Geschwindigkeit, Einfachheit und Sicherheit" sollen das Betriebssystem bestimmen, hieß es. Der Nutzer solle binnen weniger Sekunden nach Einschalten des Computers bereits im Internet surfen können. Google Chrome OS werde komplett neu entwickelt, damit "die Nutzer sich nicht um Viren, Schadsoftware und Sicherheits-Updates" kümmern müssen. "Es soll einfach laufen", gab Google als Devise aus. Das neue Betriebssystem sei für Menschen gedacht, die die meiste Zeit im Internet verbringen.

Mit Google Chrome OS (OS = Operating System) greift der Internetprimus direkt das Herzstück des milliardenschweren Microsoft-Imperiums an. Windows ist seit langem das weltweit dominierende Computer-Betriebssystem mit einem Marktanteil immer noch in der Nähe von 90 Prozent, auch wenn zuletzt unter anderem Apple mit seinem Mac OS X etwas zulegen konnte.

Windows ist auch nach wie vor der wichtigste Gewinnbringer von Microsoft: Im vergangenen dritten Geschäftsquartal sorgte die entsprechende Sparte für ein Viertel des Umsatzes und mehr als die Hälfte des Profits. Und das, obwohl der PC-Markt in der Wirtschaftskrise schrumpft.

Google fügte Microsoft bereits zahlreiche Nadelstiche zu. Mit teils kostenlosen webbasierenden Büroanwendungen ("Google Apps") macht Google bereits den teuren Office-Paketen von Microsoft Konkurrenz. Der Browser Chrome hat Microsofts Internet Explorer im Visier, konnte bisher jedoch nur geringe Marktanteile gewinnen. Bei dem lukrativen Geschäft mit Onlinewerbung im Umfeld der Internetsuche liegt Microsoft bisher weit abgeschlagen hinter Google - auch wenn der Softwaregigant den Abstand mit seiner neuen Suchmaschine Bing ein wenig verringern konnte.

An der Börse hat in diesem Jahr Google bislang die Nase weit vorne: Die Papiere des Internetkonzerns stiegen seit Jahresanfang um 29 Prozent. Microsoft musste sich in diesem Zeitraum mit plus 16 Prozent zufriedengeben. Am Mittwoch gab es trotz der Ankündigung zunächst keine gravierenden Ausschläge: Die Microsoft-Aktie verlor in den ersten Handelsstunden in New York gut zwei Prozent auf rund 22 Dollar, das Google-Papier rückte um etwa ein Prozent auf knapp 401 Dollar vor.

Technisch gesehen bestehe das Betriebssystem (Operating System - OS) aus dem Browser Chrome, der auf einem Linux-Kern mit einer neu entwickelten Fensterverwaltung laufe, erklärte Google. Linux ist ein freies Betriebssystem, das Microsoft bereits vor allem auf Servern Kopfschmerzen bereitet hat.

Wie bei dem vor allem für kleine mobile Geräte wie Handys oder Netbooks gedachten Betriebssystem Android soll der Quellcode von Chrome OS offen (Open Source) sein. Das heißt, er wäre für Software-Entwickler frei zugänglich. Google Chrome OS sei als Projekt unabhängig von dem zusammen mit zahlreichen Partnern aus der Mobilfunk-Branche entwickelten Android, betonte Google.

Für Google könnte der Einstieg ins Geschäft mit Betriebssystemen auch ein verschärftes Interesse von Wettbewerbshütern bedeuten. Bereits jetzt fragen sich einige Regulierer, ob Google mit der dominierenden Position im Online-Werbegeschäft nicht zu mächtig geworden ist. Microsoft drohte in den 90er Jahren wegen des faktischen Monopols bei Computer-Betriebssystemen sogar die Zerschlagung. (dpa/tc)