Project Ara

Google gibt Idee vom modularen Smartphone auf

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Ein Smartphone, das Anwender aus einem Baukasten von Modulen selbst zusammenstecken können – das war die Idee hinter Project Ara. Jetzt nimmt Google zum Bedauern vieler Marktbeobachter Abstand davon.

Im Zuge der Neuordnung seiner Hardwareaktivitäten hat Google das vielbeachtete Project Ara fallen lassen. Wie der Nachrichtendienst "Reuters" berichtet, könnten aber trotzdem irgendwann konfigurierbare Endgeräte, die nach dieser Google-Idee gebaut sind, herauskommen - von Partnern mit einer entsprechenden Lizenz. Google kommentiert das Ende von Project Ara nicht offiziell, bezeichnet den Reuters-Bericht aber als "wahr und akkurat".

Hardwarestrategie geändert

Zum ersten Mal hatte Google 2013 von dem Smartphone aus verschiedenen Bausteinen gesprochen. Damals gehörte noch Motorola Mobility zum Konzern (heute bei Lenovo), und die Lego-Idee hatte viele Fans. Google wollte eine freie, offene Hardwareplattform schaffen, für die auch Dritte Module beisteuern sollten und für die ein eigenes App-Ökosystem angedacht war. Im vergangenen Jahr sollte Ara in Puerto Rico getestet werden, doch bevor es dazu kam, änderte Google seine gesamte Hardwarestrategie.

Mehr über das Project Ara:

"Project Ara war ein faszinierendes Projekt. Es hätte mich nicht überrascht, wenn es ein kommerzieller Erfolg geworden wäre", kommentiert Bryan Ma, beim Marktforscher IDC Vice President für den Bereich Mobile Computing. Andererseits hätte sich das Google-Konzept laut Ma gegen den Mainstream behaupten müssen, in dem Konzerne wie Apple und Samsung in immer kürzeren Upgrade-Zyklen Geräte herausbringen und mit immer grelleren Neuerscheinungen Begehrlichkeiten wecken. Google hätte wohl sehr viel Geld ausgeben müssen, um in diesem Wettbewerbsumfeld Tritt zu fassen.

Von vielen "guten" Ideen beibt nichts übrig

Noch im Mai 2016 hatte Google Hardware-Entwicklern versprochen, bis zum Jahresende ein erstes Modell in Händen zu halten, um - anwendungs- und branchenspezifisch - weitere Bausteine zu entwerfen. Dabei änderte der Anbieter seine Designphilosophie und brachte mehr Kernelemente im unveränderlichen Rahmen des Geräts unter, darunter CPU und Funkmodul. Die von Dritten beigesteuerten Bausteine sollten Funktionen enthalten, die man bei Smartphones so nicht findet, hieß es. Auch gab es Überlegungen, Frames verschiedener Größe herauszubringen und die Idee des modularen Smartphones zu der eines modularen Computers zu erweitern, der nicht mehr unmittelbar an ein Mobiltelefon erinnert. Doch daraus dürfte jetzt nichts mehr werden.

Auch andere Anbieter haben in der Vergangenheit mit modularen Phones experimentiert. Motorola etwa veröffentlichte im Juli sein "Moto Mods Development Kit", mit dem Designer Erweiterungen für "Moto-Z"-Geräte bauen können. Das kann beispielsweise ein Game-Controller sein, medizinische Geräte etwa für die Blutdruckmessung oder auch Sensoren für die Messung von Umwelteinflüssen. Unternehmen wie Motorola oder LG denken allerdings eher über Erweiterungen für klassische Smartphones nach als über ein modulares Kerngerät. (hv)