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Und es hat "Blink" gemacht

Google forkt WebKit

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Google setzt für seinen Browser Chrome und das darauf basierende Betriebsystem künftig auf eine eigene Rendering Engine.
Foto: WebKit

Bislang hatte Google auf das von Apple gesponserte Projekt WebKit gesetzt. WebKit entstand im Jahr 2001 als Fork von KTHML; es enthält eine Core-Engine für den Umgang mit HTML und CSS ("WebCore"), eine JavaScript-Engine ("JavaScriptCore") sowie eine High-Level-API zum Einbauen in andere Browser. Neben Chrome basieren aktuell unter anderem Apples Safari und etliche mobile Browser auf WebKit.

Google hatte in Chrome seit dem Jahr 2008 für Chrome nur noch auf den WebCore-Teil zurückgegriffen, sich aber trotzdem intensiv am Tracking des WebKit-Projekts beteiligt und sowohl die Patches anderer Developer übernommen als auch seine eigenen Änderungen aus der Weiterentwicklung von Chrome an die Community zurückgespielt.

Nach Aussagen der beiden Google-Entwickler Linus Upson und Alex Komoroske gegenüber "Ars Technica" ist das nicht länger praktikabel, unter anderem weil viel Arbeit in WebCore mittlerweile in den von Apple benutzten Wrapper "WebKit2" fließt, den Google nicht will - WebKit2 hat zum Beispiel andere Multiprozess- und Sandboxing-Modelle für mehrere Browser-Tabs als Chrome.

Foto: Google

Google hat sich deswegen entschieden, WebKit oder genauer WebCore zu forken und als "Blink" eigenständig weiterzuentwickeln. Davon sollen aus Sicht des Internet-Konzerns beide Seiten profitieren. Google selbst kann beispielsweise auf einen Streich 7000 Dateien und 4,5 Millionen Codezeilen weglassen, die ausschließlich der Unterstützung von WebKit2 dienen. Und die WebKit-Leute brauchen im Gegenzug keine Rücksicht mehr darauf zu nehmen, wie Chrome auf WebCore aufsetzt.

Google argumentiert außerdem, Blink werde die Vielfalt im Browser-Ökosystem erhöhen und Bedenken ausräumen, speziell das mobile Web entwickle sich in Richtung einer WebKit-Monokultur.

Für Web-Nutzer und -Entwickler ändert sich zunächst noch so gut wie nichts, da Blink zum jetzigen Zeitpunkt noch mehr oder weniger baugleich mit WebCore ist. Google will zunächst den Code entrümpeln und die Teile entfernen, die es nicht mehr benötigt. Erste Canary-Builds sollen heute fertig werden, anschließend wandert der Code wie gewohnt in Sechs-Wochen-Intervallen in die Developer-, Beta- und schließlich stabilen Chrome Releases. In welche Richtung Blink sich weiterentwickelt, ist laut Upson und Komoroske noch weitgehend offen. Es gebe aber schon jede Menge Ideen und der Fork schaffe den nötigen Freiraum, um diese auszuprobieren und gegebenenfalls umzusetzen.

Inzwischen gibt es auch eine FAQ-Sammlung zu Blink. Interessant für Web-Entwickler ist besonders die Aussage, dass es keinerlei "-blink" oder "-chrome"-Präfixe für CSS geben soll. Experimentelle Features wird man explizit in den vor Endnutzern versteckten about:config-Optionen des Browsers einschalten müssen (so macht das auch Mozilla beim Firefox). Die norwegische Browser-Schmiede Opera will sich den Blink-Bemühungen anschließen. Opera hatte unlängst einen Wechsel zu WebKit angekündigt, dabei allerdings Googles Chromium getrackt.