Nexus 7, Nexus Q

Google bringt neue Hardware für das eigene Ökosystem

Thomas Cloer
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Mit neuer Hardware unter dem hauseigenen "Nexus"-Label will Google seiner Nutzer stärker an das Content-Angebot aus Google Play binden. Das erinnert stark an Apple und iTunes.
Das Google-Tablet "Nexus 7" - ein Schaufenster für die Inhalte in Google Play.
Das Google-Tablet "Nexus 7" - ein Schaufenster für die Inhalte in Google Play.
Foto: Google

Der Internet-Riese stellte am Mittwoch das "Nexus 7" vor, das von Asus in Taiwan gebaut wird und mit einem Einstiegspreis von 200 Dollar auf den Massenmarkt zielt. In Deutschland kommt das Gerät zunächst nicht heraus. Auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O 2012 in San Francisco präsentierte das Unternehmen zudem eine neue Version des Betriebssystems Android für Smartphones und Tablet-Computer. Sie enthält eine Spracherkennung, die dem Apple-System Siri ähnelt, und liefert Informationen zu Straßenverkehr und Flügen sowie Nachrichten in Echtzeit ("Google Now"). Ins Wohnzimmer will Google mit einer Streaming-Box einziehen.

Das Nexus 7 zeige, wie Google sich die Nutzererfahrung auf Tablets vorstellt, sagte Manager Hugo Barra. Das kompakte Vorzeigegerät im Sieben-Zoll-Format ist auf die Möglichkeiten von Android abgestimmt und bindet den Online-Store Google Play eng ein. Dieser wird zu einer Medienzentrale und bietet künftig neben Anwendungen auch Filme und TV-Sendungen zum Kauf sowie Zeitschriften an. Google hat dafür Partnerschaften mit großen Medienkonzernen geschlossen.

Mit dem niedrigen Preis positioniert Google das Nexus 7 primär als Konkurrenten zum "Kindle Fire" von Amazon, der ebenfalls rund 200 Dollar kostet und in den USA schon millionenfach verkauft wurde. Überdies dürfte das Unternehmen darauf hoffen, dass andere Hardware-Hersteller ihre Geräte aufrüsten und dem Google-System Android zu einer größeren Verbreitung im Tablet-Markt verhelfen. Kaufen kann man das Nexus 7 ab Mitte Juli zunächst in den englischsprachigen Märkten USA, Kanada, Großbritannien und Australien. Wie auch die neuen "Surface"-Tablets von Microsoft hat das Nexus 7 übrigens keinen Mobilfunk an Bord.

"Project Butter" soll Android 4.1 "Jelly Bean" deutlich geschmeidiger machen.
"Project Butter" soll Android 4.1 "Jelly Bean" deutlich geschmeidiger machen.
Foto: Google

Die neue Android-Version 4.1 - Codename: "Jelly Bean" - wartet mit etlichen neuen Funktionen auf. Die überarbeitete Spracherkennung ist vollständig auf dem Gerät installiert und funktioniert somit ohne Internetverbindung. Das Siri-Pendant mit "Google Now" ist zunächst lediglich in US-Englisch verfügbar, weitere Sprachversionen sollen bald folgen.

Weitere Neuerungen: Über die Nahfunk-Technologie NFC sollen Nutzer Kontakte, Fotos und Videos mit einer simplen Geste austauschen können. Die Verbindung mit Bluetooth-Geräten wie Kopfhörern oder Headsets wird wesentlich vereinfacht. Zudem überarbeitet Google die Benutzeroberfläche und hier insbesondere die Benachrichtigungsfunktionen. Unter der Haube von Android 4.1 soll "Project Butter" für eine systemweit deutlich schnellere Bildschirmauffrischung sorgen und das System damit endlich erheblich geschmeidiger und weniger ruckelig machen.

Mitte Juli will Google den Quellcode von "Jelly Bean" als Open Source veröffentlichen. Bis Endkunden das neue System dann auf ihrem Gerät haben, vergeht erfahrungsgemäß aber einige Zeit (falls der Gerätehersteller überhaupt ein Update anbietet) - die Smartphone-Hersteller versehen Android mit eigenen Oberflächen und Apps, die dann erst angepasst werden müssen. Einzige Ausnahme sind die "Nexus"-Telefone, auf denen ein "plain" Android läuft. Das "Nexus S" und "Galaxy Nexus" dürften Android 4.1 aher als erste via OTA-Update empfangen.

Im "Party Mode" von Besuchern gesammelte Fotos zu einem Event in Google+
Im "Party Mode" von Besuchern gesammelte Fotos zu einem Event in Google+
Foto: Google

Mit neuen Zahlen unterstrich Google die Bedeutung von Android. Jeden Tag werden eine Million Geräte mit dem System aktiviert. Mittlerweile ist die Marke von 400 Millionen Android-Smartphones und -Tablets überschritten. Auf Google Play sind 600.000 Anwendungen und Spiele verfügbar. Seit dem Start verzeichnete Google mehr als 20 Milliarden App-Installationen.

Große Anstrengungen steckt der Internet-Riese weiterhin in sein Soziales Netzwerk Google+, das vor einem Jahr an den Start gegangen war. Google-Manager Vic Gundotra betonte, Google+ sei auf einem guten Weg: Derzeit habe das Online-Netzwerk 150 Millionen aktive Nutzer und wachse weiter schnell. Insgesamt hätten sich 250 Millionen Menschen registriert. Gundotra kündigte dann die längst überfälligen Tablet-Apps für Google+ an - die Android-Version ist bereits erhältlich, die für das iPad von Apple soll in Kürze folgen.

Über die neue "Events"-Funktion können Google+-Nutzer jetzt auch Veranstaltungen planen und abwickeln. Der Dienst integriert sich dabei eng mit dem Google-Kalender. Google+ Events bietet unter anderem die Option, die während einer Veranstaltung von den Teilenehmern geschossenen und freigegebenen ("Party Mode") Fotos automatisch zu sammeln, um das Event im Bild festzuhalten und zu dokumentieren.

"Nexus Q" läuft intern mit Android und ist "Made in U.S.A.".
"Nexus Q" läuft intern mit Android und ist "Made in U.S.A.".
Foto: Google

Auch im Wohnzimmer will Google die Nutzer künftig erreichen - mit einer kugelförmigen Streaming-Box, die Musik und Videos aus Google Play auf Boxen beziehungsweise Stereoanlage und Fernseher bringt. Das "Nexus Q" getaufte Gerät läuft intern mit Android und lässt sich nur von mobilen Android-Geräten aus steuern - dafür aber von beliebigen Nutzern und nicht an einen bestimmten Play-Account gebunden. Das Nexus Q wird in den USA hergestellt - unter anderem deswegen ist es mit 300 Dollar nicht ganz billig - und zunächst auch nur dort angeboten, teilte Google mit. Apples Streaming-Box "Apple TV" ist mit 100 Dollar deutlich günstiger zu haben.

Noch ein Experiment ist dagegen die Datenbrille Google Glass: Sie kann Informationen aller Art vors Auge projizieren, mit einer Kamera die Umgebung aufnehmen und Live-Bilder senden. Google übertrug den Flug von Fallschirmspringern während der gestrigen I/O-Keynote live auf die Leinwände im Moscone Center. Ausgewählte Entwickler können das Gerät nun für 1500 Dollar vorbestellen. Es handle sich aber auf keinen Fall bereits um ein ausgereiftes Produkt für Verbraucher, betonte Google-Mitgründer Sergey Brin.

Zur Google I/O haben sich mehr als 6000 Programmierer und Internet-Experten in San Francisco versammelt. Ein wesentlicher Bestandteil der Konferenz sind die technischen Sitzungen, in denen das Unternehmen zeigt, welche Themen ihm besonders wichtig sind: Neben Android beispielsweise das mobile Betriebssystem Chrome, das Soziale Netzwerk Google+, der Kartendienst Maps, außerdem der Bezahldienst Wallet und die Daten-Synchronisierung Drive. Auch der Web-Standard HTML5 und YouTube spielen eine wichtige Rolle. (tc mit dpa)

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