Gmail-App zurückgezogen

Google bezieht virtuelle Prügel

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Peinliche Panne: Google hat gestern eine Gmail-App für iPhone und iPad veröffentlich, musste die fehlerhafte Software aber umgehend wieder zurückziehen.
Googles Gmail-App ist nur ein Wrapper um den UIWebView - da kann man eigentlich auch gleich Safari nehmen...
Googles Gmail-App ist nur ein Wrapper um den UIWebView - da kann man eigentlich auch gleich Safari nehmen...
Foto: Google

Google kündigte die Gmail-App gestern zunächst im seinem offiziellen Gmail-Blog an, zwei Stunden später wurde sie dann nach harscher Kritik der ersten Nutzer wieder zurückgezogen. Sie machte Probleme mit dem Benachrichtigungssystem von iOS und warf beim Öffnen eine Fehlermeldung aus. Google will eine korrigierte Version entwickeln und so schnell wie möglich veröffentlichen.

Dass die neue Version dann wie von Google proklamiert "one more reason to switch to Gmail" (in Deutschland: Google Mail) sein wird, darf man allerdings getrost bezweifeln: Es handelt sich nämlich um keine native iOS-App, sondern um einen schlichten Wrapper um den UIWebView der mobilen Gmail-Webseite. "TechCrunch"-Autor MG Siegler zieht in seinem privaten Blog "parislemon" deswegen auch böse über Google her: Es sei erbärmlich, was Google angesichts seiner Größe an iOS-Entwicklungen abliefere.

Siegler sieht das durchaus als größeren Trend bei neuen Google-Entwicklungen: Er habe das Vertrauen darin verloren, dass ein neues Google-Produkt automatisch etwas Tolles sein müsse (so wie früher). Ins gleiche Horn bläst Matt Rosoff bei "Silicon Alley Insider" und führt dabei unter anderem auch das viel kritisierte "Redesign" des Online-Feedreaders "Google Reader" ins Feld. Google müsse endlich erwachsen werden und aufhören, unausgereiftes, nur halb getestetes und halbfertiges Zeug auf den Markt zu bringen. Wenn es mehr wie Apple sein wolle, dann müsse es auch mehr so agieren, so Rosoff weiter.