Übernahme von BufferBox

Google attackiert Amazon

03.12.2012
Der Internet-Konzern Google eifert dem Web-Handels-Krösus Amazon nach: Die Übernahme des Paket-Versender BufferBox durch Google ist Signal für mehr Wettbewerb im Online-Handel.
Foto: BufferBox

Am Wochenende hat Google eine Akquisition angekündigt, die das eigene Geschäftsmodell in eine ungewöhnliche Richtung ausweitet. Für eine nicht näher genannte Summe übernahm der Internet-Konzern das kanadische Startup BufferBox, das einen Paketlieferdienst betreibt, wie ihn auch die Deutsche Post mit ihren "Packstationen" unterhält. Bufferbox hat seinen Sitz in Waterloo, Ontario, und betreibt den Lieferdienst vor allem im Großraum Toronto. Dort sollen im Lauf des kommenden Jahres über 100 Lieferkioske entstehen.

Pakete mit Online-Einkäufen werden an die gewählte Kisok-Adresse anstatt an die Wohnadresse geliefert, so dass die Einkäufer für den Empfang nicht auf den Postboten oder Lieferservice warten müssen. Dazu müssen sich die Nutzer einmalig registrieren. Sobald das Päckchen in der Paketstationen hinterlegt wurden, bekommt der Empfänger eine Nachricht mit einem Code, der das Fach mit den Einkäufen öffnet. BufferBox bietet seinen Dienst bis Jahresende noch kostenlos an, ab 2013 will der Anbieter je Lieferung drei bis vier Dollar verlangen.

Die Reichweite des Services soll unter Google-Führung nun zügig verbessert werden, die Marke will man bis auf weiteres fortführen. "Wir möchten möglichst alle Hindernisse beseitigen, die einem Shopping-Erlebnis im Wege stehen, und Kunden helfen, Zeit und Geld zu sparen. Das BufferBox-Team hat tolle Ideen, wie sich das machen lässt", begründete Google den Kauf in einer Mitteilung.

Details zu den Zukunftsplänen bleibt Google schuldig

Google verstärkt mit der Akquisition das eigene Geschäft mit dem Online-Handel, der Konzern kauft weniger eine Idee, sondern eher einen fertigen Logistik-Services, dem lediglich die Reichweite fehlt. Verglichen mit den US-Preisen von UPS und FedEx bietet BufferBox seine Lieferdienste auch deutlich günstiger an, so dass Google die Kombination aus Lieferservice und Online-Shopping den Kunden in Zukunft als attraktive, integrierte Lösung anbieten kann. "Wir können noch keine Details über unsere Pläne bekannt geben, doch wir denken, dass es noch viel Spielraum jenseits dieses fantastischen Starts mit Paket-Services gibt", sagte Google-Manager Steve Woods der Financial Post.

Die vagen Hinweise lassen die Spekulationen sprießen, die US-Wirtschaftszeitung "The Economist" vermutet hinter der Übernahme einen sich verschärfenden Wettbewerb zu Amazon: "Google experimentiert mit einem Dienst, der es Kunden erlaubt, Güter Online zu finden und zu bestellen, um sich die Sachen innerhalb eines Tages zu einem moderaten Preis liefern zu lassen. Das klingt ganz nach Amazon ´Prime´-Service, der 79 Dollar pro Jahr kostet."

"The Economist": Google sollte UPS kaufen

Mit BufferBox versuche Google jedoch nicht, das Amazon-Geflecht an Logistik-Zentren und Lagerstätten zu kopieren, stattdessen knüpfe der Konzern ein Geflecht aus Partnern im Einzelhändler und aus Lieferdiensten, analysiert die Zeitung: "Doch wenn Google es ernsthaft mit Amazon aufnehmen möchte, dann muss das Unternehmen letztlich doch ein Logistik-Unternehmen übernehmen. Mit 69 Milliarden Dollar hat UPS eine Marktkapitalisierung, die sich nur auf ein Drittel des Google-Wertes beläuft." Knapp die Hälfte des Kaufpreises könnte Google mit seinen Barreserven bestreiten, rechnet die Zeitung vor. Mit einer solchen Investition könnte Google zum weltweiten Fulfillment-Dienstleister im E-Commerce-Geschäft aufsteigen.

Doch das sind kühne Spekulationen, die andere US-Medien nicht teilen: "Es gibt sinnvollere und vielversprechendere Möglichkeiten, in die Google investieren könnte", winkt die Online-Zeitung "Business Insider" ab. Über die Pläne, die Google mit BufferBox verfolgt, wird dennoch weiter spekuliert: "Ist das der Beginn eines Versand-Kriegs zwischen Google und Amazon?", fragt Business Insider.

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