Managed Nearshoring

Global Sourcing für Mittelständler

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Ein Bericht zeigt auf, wie mittelständische IT- und TK-Anbieter ohne großes Risiko und mit geringen Mitteln globale Liefermodelle verwirklichen können.

Kostendruck, Fachkräftemangel und ein zunehmender globaler Wettbewerb zwingen auch mittelständische IT-Dienstleister, Softwareanbieter und Web-Agenturen dazu, die Möglichkeiten zur Einbindung von Near- oder Offshore-Ressourcen zu prüfen. Allerdings stehen sie dabei oft vor einem Dilemma: Ihnen fehlen die personellen und finanziellen Mittel, um Lieferzentren im Ausland eigenständig aufzubauen und die damit verbundenen Risiken zu tragen. Ein herkömmliches Outsourcing kommt für die meisten Anbieter aber auch nicht in Frage, da die auszulagernden Leistungen eng mit dem Kerngeschäft verzahnt sind.

Die Lösung liegt laut Berlecon Research im Managed Nearshoring: Spezialisierte Offshore-Anbieter stellen Personal und Infrastruktur im Ausland bereit und bieten bei Bedarf auch ergänzende Beratungs- und Projekt-Management-Leistungen. Die Kontrolle über diese Aktivitäten verbleibt jedoch beim Kunden, er entscheidet über Prozessgestaltung und Personaleinsatz. Laut Andreas Stiehler, Senior Analyst bei Berlecon Research, können mittelständische IT- und TK-Anbieter auf diese Weise ohne großes Risiko und mit geringen Mitteln globale Liefermodelle verwirklichen: "Unsere Fallstudien zeigen, dass der Einstieg in Global Sourcing bereits mit Nearshore-Teams ab drei Personen möglich und lohnend ist."

Wie jedes Outsourcing-Projekt setzt Managed Nearshoring eine Anpassung von Prozessen und Dokumentationen voraus. Zudem gilt es, die Mitarbeiter im Ausland mit den unternehmensspezifischen Anforderungen vertraut zu machen und in die Belegschaft zu integrieren. Mit einem vernünftigen Projekt- und Personal-Management lassen sich diese Herausforderungen jedoch meistern, meint Stiehler. "Managed Nearshoring ist kein Hexenwerk."

Allerdings sollten die Firmen Global-Sourcing-Vorhaben als strategisches Investment zur Unterstützung von Wettbewerbszielen und nicht als reine Sparmaßnahme betrachten. Niedrige Personalkosten sind zwar nach wie vor das Hauptmotiv für den Aufbau von Nearshore-Kapazitäten. "Wer aber nur auf die Einsparmöglichkeiten schaut, riskiert seine Wachstumschancen", gibt Stiehler zu bedenken. So illustriere eine neue Studie von Berlecon, dass die Firmen durch Managed Nearshoring den Kundenservice ausbauen, die Servicequalität erhöhen und Innovationen vorantreiben konnten - zu auch für Mittelständler realistischen Kosten. "Der deutsche ITK-Mittelstand hat dadurch den erforderlichen Spielraum, um sich Vorteile im Wettbewerb mit großen, internationalen Anbietern zu verschaffen", fasst der Experte zusammen.

Die Studie beleuchtet Vor- und Nachteile von Managed Nearshoring im Vergleich zu herkömmlichen Global-Sourcing-Konzepten und erläutert, wie mittelständische Anbieter durch ihre Wettbewerbsfähigkeit die Einbindung von Nearshore-Ressourcen steigern können. Am Beispiel von vier Mittelständlern in Deutschland werden typische Stolpersteine bei der Umsetzung von Managed Nearshoring beschrieben.