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Global Crossing ist wieder solvent

10.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der gebeutelte US-Carrier Global Crossing hat eigenen Angaben zufolge den Gläubigerschutz nach Kapitel Elf des US-Konkursrechts abgelegt. Den Neuanfang ermöglichte der asiatische Investor Singapore Technologies Telemedia (STT), der für 250 Millionen Dollar 61,5 Prozent an Global Crossing erwarb. Zusätzlich erklärte sich STT bereit, Anleihen im Wert von 200 Millionen Dollar zu kaufen, die ursprünglich an die Kreditgeber des Unternehmens verteilt werden sollten. Die Gläubiger erhalten im Rahmen der Reorganisation die verbleibenden 38,5 Prozent von Global Crossing, während die Aktionäre leer ausgehen. Eine Einigung mit der US-Börsenaufsicht SEC ist in Vorbereitung. Diese hatte den Glasfasernetzbetreiber wegen milliardenschwerer Kapazitätstauschgeschäfte mit anderen Telcos ins Visier genommen. Die vermeintlichen Erlöse wurde dabei als Gewinn verbucht

(Computerwoche online berichtete).

Seit Global Crossing vor fast zwei Jahren wegen Außenstände in Höhe von mehr als zwölf Milliarden Dollar den Gang zum Insolvenzrichter angetreten hatte, hat sich der Konzern stark verändert: Die Schulden wurden auf 200 Millionen Dollar reduziert, die Tochtergesellschaft Asia Global Crossing an Asia Netcom verkauft. Die Belegschaft des Unternehmens mit einem einstigen Börsenwert von 48 Milliarden Dollar schrumpfte von über 11.000 auf weniger als 5000 Mitarbeiter. Weg vom Fenster ist inzwischen auch Gary Winnick, Gründer, ehemaliger CEO und zuletzt Chairman von Global Crossing, der noch im Mai 2001 Unternehmensaktien im Wert von 124 Millionen Dollar veräußert hatte.

Im Markt hat sich allerdings wenig getan: Obwohl die Telco- und Internet-Blase mittlerweile geplatzt ist, sind in den vergangenen zwei Jahren nur wenige TK-Unternehmen komplett verschwunden. Konkurrent MCI etwa wird in wenigen Monaten selbst die Reorganisation abgeschlossen haben. Geblieben sind auch die Überkapazitäten, entsprechend hoch nach wie vor Wettbewerb und Preisdruck. Um dafür gerüstet zu sein, hat Global Crossing inzwischen seine jährlichen Betriebskosten von zwei Milliarden auf 700 Millionen Dollar gesenkt. Die Chancen auf künftiges Wachstum sind jedoch angesichts der starken Konkurrenz gering: Im Monat Juni verbuchte der Carrier bei 254 Millionen Dollar Umsatz einen operativen Verlust von 92 Millionen Dollar. Er konnte sich damit gegenüber dem Vorjahresmonat nur leicht verbessern. Damals wies das Unternehmen Einnahmen in Höhe von 250 Millionen Dollar aus. Das Minus vor Restrukturierungskosten belief sich auf 101 Millionen Dollar. (mb)