Snowden-Reporter

Glenn Greenwald verlässt den "Guardian"

16.10.2013
Der Name von Glenn Greenwald stand über den wichtigsten Berichten über die Internet-Überwachung durch die NSA. Jetzt zieht er vom "Guardian" zu einem noch geheimen neuen Web-Projekt weiter. Mit im Gepäck hat Greenwald die Dokumente des Informanten Edward Snowden.

Der Journalist Glenn Greenwald, der federführend über die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden berichtete, verlässt die britische Zeitung "Guardian". Er habe ein "journalistisches Traumangebot" bekommen, könne aber noch keine konkreten Details nennen, teilte Greenwald am späten Dienstag mit. Es gehe um ein gut finanziertes ganz neues Unternehmen, erklärte er dem Online-Dienst "Buzzfeed". Die Geldquelle werde demnächst bei der offiziellen Ankündigung offengelegt.

Reporter Glenn Greenwald macht seine Snowden-Enthüllungen künftig ohne den "Guardian".
Reporter Glenn Greenwald macht seine Snowden-Enthüllungen künftig ohne den "Guardian".
Foto: Gage Skidmore via flickr

In seiner neuen Rolle werde er neben dem Schreiben auch die "gesamte journalistische Abteilung gestalten", sagte Greenwald "Buzzfeed". So werde er die Autoren und Redakteure aussuchen, die die selben Werte teilten, und die journalistische Ausrichtung bestimmen. Er selbst werde weiter in Rio de Janeiro leben, während das neue Medienunternehmen die Hauptbüros in New York, Washington und San Francisco haben werde.

Die US-Website "Politico" schrieb, das Medienunternehmen werde von einem Mäzen finanziert. Es werde im Internet veröffentlichen und "eher außergewöhnlich" sein, hieß es unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Ein Sprecher des Milliardärs und Philanthropen George Soros dementierte, dass sein Chef hinter dem Projekt stehe. "GigaOM" berichtet unter Berufung auf Reuters, das Geld komme vom Ebay-Gründer Pierre Omidyar.

Snowden, der tausende geheime Unterlagen des US-Geheimdiensts NSA der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, hatte sich Greenwald als journalistischen Partner ausgesucht, weil er dessen frühere Arbeit kannte. Er gab dem Reporter und der Filmemacherin Laura Poitras ein langes Interview in Hongkong, das Anfang Juni den Skandal um die großflächige Internet-Überwachung durch amerikanische und britische Geheimdienste ins Rollen brachte. Greenwald und Poitras gelten als die einzigen, die das gesamte Material von Snowden in der Hand halten. Der "Guardian" teilte seine Unterlagen inzwischen auch mit der "New York Times", um sie vor britischen Behörden in Sicherheit zu bringen.

Der "Guardian" dankte Greenwald und zeigte sich zugleich enttäuscht über dessen Abschied. Die Snowden-Berichterstattung hatte das internationale Ansehen des britischen Blatts enorm gesteigert. (dpa/tc)