Prognose der Montgomery Securities:

Gewinn nur bei fünf Chipherstellern

07.06.1985

PALO ALTO (CW) - Lediglich fünf US-Unternehmen der Halbleiter-Branche werden in diesem Jahr noch Gewinne schreiben. Dies sagte Daniel L. Klesken, Sprecher der Montgomery Securities, eines Marketingunternehmens, das sich auf die Halbleiterindustrie spezialisiert hat, bei einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Nach Kleskens Worten gehören mittlerweile Entlassungen von Mitarbeitern oder unbezahlter Urlaub bei einigen Firmen zur Tagesordnung. Der Boom für Halbleitertechnologie war von 1982 bis auf 1984 zu verzeichnen gewesen: In diesem Zeitraum stiegen die Umsätze auf dem Weltmarkt von 14,1 bis 26,0 Milliarden Dollar. Für 1985 wird nun erstmals mit einem gravierenden Rückgang gerechnet, der sich bei etwa 22,5 Milliarden Dollar einpendeln könnte. Gegenüber der FAZ nannte Klesken speziell für den US-Markt eine noch stärkeren Fall - der Einbruch dürfte hier etwa 22 Prozent ausmachen. Damit läge die Produktion bei nunmehr 9 Milliarden Dollar im Vergleich zu 1 1,6 Milliarden im vergangenen Jahr. Und dieser Trend halte nach wie vor an, da die Computerindustrie immer weniger Bestellungen aufgebe, sagte der Montgomery-Sprecher.

Der amerikanische Verband der Halbleiterindustrie nannte hierzu konkrete Zahlen: Bereits im April 1984 gingen die Auftragseingänge auf 357 Millionen Dollar zurück, während diese im Vorjahreszeitraum noch bei 1,2 Milliarden Dollar lagen. Grundsätzlich habe man - so hieß es weiter - mit einem leichten Rückgang gerechnet, nicht jedoch in diesem Maße. Diverse Hersteller hatten sich in Erwartung steigender Umsätze noch reichlich mit Chips eingedeckt, um für den vermeintlichen Auftragsboom gewappnet zu sein.

Ganz allgemein ist die Situation auf dem Weltmarkt für die Hersteller im Halbleiterbereich nicht sehr rosig. Innerhalb der letzten 15 Monate wurden allein in den USA 12 neue Fabrikationsstätten für Chips errichtet; 6 weitere wurden in Japan aufgebaut, in Europa waren es 4 und ferner wurden 3 in Korea aus der Taufe gehoben. Als logische Folge dieser Entwicklung gab es bald einen Preisrutsch bei Halbleitern. Beispielsweise ging der Preis für einen 64-KB-Speicher rapide nach unten: Kostete dieser Anfang des letzten Jahres noch vier Dollar, konnte er im Mai 1985 bereits für 70 Cents erstanden werden (siehe auch Börsenseite). Und die für die Rechner-Massenfertigung immer wichtiger werdenden 256-KB-Chips, die im ersten 84er Quartal noch etwa 25 Dollar kosteten, sind jetzt für weniger als ein Fünftel des ursprünglichen Preises zu bekommen.

Vor allem werden es nach Meinung von Klesken die Japaner sein die mit zu den erheblichen Verschiebungen auf dem Halbleitermarkt, beitragen dürften. Dies nicht zuletzt wegen ihrer aggressiven Marktstrategie. Im Vergleich zu bisher 39 Prozent Marktanteil wird für 1989 mit einem Anstieg auf 45 Prozent für die Japaner gerechnet. Parallel hierzu soll sich der amerikanische Marktanteil von bislang 50 auf nunmehr 45 Prozent verringern. Die Europäer, werden ihren Anteil in Höhe von 10 Prozent nicht mehr halten können.