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Deutschland, Polen, Tschechien

Gewerkschaften wollen Proteste gegen Amazon international führen

02.12.2013
Online-Händler Amazon sieht sich einer kampfbereiten Gewerkschaft gegenüber. Auch im Weihnachtsgeschäft sind Streiks angekündigt. Und selbst dort, wo das Unternehmen noch gar nicht präsent ist, deutet sich schon Widerstand an.
Auf die Amazon-Versandzentren kommt eine unruhige Weihnachtszeit zu.
Auf die Amazon-Versandzentren kommt eine unruhige Weihnachtszeit zu.

Die Gewerkschaft Verdi empfindet die Pläne von Online-Händler Amazon zu neuen Versandzentren in Polen und Tschechien als Warnung für die Standorte in Deutschland. "Die Ankündigung wird als Drohung verstanden, nach Osten abzuwandern", erklärte Verdi-Sekretär Thomas Schneider in Dresden. Proteste gegen schlechte Arbeitsbedingungen werde man gegebenenfalls gemeinsam mit den Kollegen in diesen beiden Ländern führen. Verdi hatte sich in Dresden mit der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc und der tschechischen Handelsgewerkschaft OSPO getroffen und über eine gemeinsame Strategie im Vorgehen gegen Amazon diskutiert. Damit wolle man verhindern, dass Amazon verschiedene Versandzentren gegeneinander ausspiele, sagte Solidarnosc-Vertreter Boguslaw Wojtas.

Nach Gewerkschaftsangaben sind in Tschechien zwei Zentren in der Nähe des Prager Flughafens und bei Brno geplant. Dort sollen jeweils 5000 Menschen arbeiten, darunter 2000 als Festangestellte. Man begrüße es prinzipiell, dass Amazon bei steigender Arbeitslosigkeit Jobs schaffen wolle, wisse aber auch um die "schlechten Arbeitsbedingungen" bei dem Unternehmen, betonte die Sprecherin der Gewerkschaft OSPO, Aneta Bednárová. In Polen erwägt Amazon, zwei Verteilzentren im Umfeld von Wroclaw und eines bei Poznan zu errichten. Verträge sind allerdings noch nicht unterschrieben, hieß es. Polen locke mit "Sonderwirtschaftszonen", bei denen Unternehmen zehn Jahre lang keine Grundsteuer zu entrichten hätten.

Eine Frage des Prinzips

"Wir haben nichts dagegen, dass Amazon neue Standorte entwickelt", sagte Thomas Voß, Verdi-Chef für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Konzern arbeite allerdings mit einer "gewerkschaftsfeindlichen Strategie" und wolle keine Tarifverträge abschließen. Amazon habe deutlich gemacht, dass Tarifverträge keine Frage des Geldes sind, sondern des Prinzips, ergänzte Verdi-Sekretär Schneider. Noch für das laufende Weihnachtsgeschäft kündigte die Gewerkschaft weitere Streikaktionen in Leipzig und Bad Hersfeld an. (dpa/sh)