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Getronics: Skandal in Italien

03.03.2006
Der Geschäftsführer und der Finanzchef der italienischen Niederlassung mussten aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten gehen.

Eigentlich wollte sich der niederländische IT-Service-Provider Getronics aus dem italienischen Markt zurückziehen, weil das Geschäft dort zu schwierig sei, so das Unternehmen, und ein aussichtsreicher Outsourcing-Deal der öffentlichen Hand auf unbestimmte Zeit verschoben worden sei. Doch daraus wird vorerst nichts, nachdem nun bekannt wurde, dass der Geschäftsführer sowie der Finanzchef der italienischen Dependance in einem Skandal verwickelt sind. Eine interne Untersuchung hat offenbar Beweise einer "vorsätzlichen Täuschung" in Geschäftsberichten erbracht. Die Getronics-Aktien gerieten erneut unter Druck, nachdem das Papier des Unternehmens bereits im November 2005 aufgrund einer verfehlten Prognose kurzzeitig von Markt genommen wurde.

Nach der Veröffentlichung des Skandals brach ein potenzieller Übernahmeinteressent, mit dem die Verhandlungen dem Vernehmen nach bereits fortgeschritten waren, die Gespräche ab. Getronics warnte nun vor höheren Belastungen. Ursprünglich hatte das Unternehmen mit Verlusten in Höhe von 17 Millionen Euro gerechnet, nun werde sich der Fehlbetrag auf 71 Millionen Euro summieren, das berichtet der Brancheninformationsdienst "Computerwire". In der Folge musste Getronics Bankverpflichtungen brechen. Der niederländische Service-Provider hofft nun, die italienische Dependance später verkaufen zu können. Geplant sind zudem Veräußerungen weiterer Unternehmensbereiche, die insgesamt etwa 100 Millionen Euro pro Jahr einnehmen, darunter das Geschäft mit Personaldienstleistungen in Holland.

Die Vorgänge in Italien überschatteten die Veröffentlichung des Jahresergebnisses 2005. Danach nahm Getronics im vergangenen Jahr rund 2,59 Milliarden Euro ein und konnte damit den Umsatz gegenüber Vorjahr um 23 Prozent steigern. Der Gewinn belief sich allerdings auf lediglich vier Millionen Euro, im Jahr zuvor konnte Getronics noch auf einen Profit von 56 Millionen Euro verweisen. CEO Klaas Wagenaar räumte ein, er habe aufgrund des Skandals an Rücktritt gedacht. Allerdings will er nochmals seine Fähigkeit unter Beweis stellen, eine Trendwende herbeiführen zu können. Vergleichbares hatte er bereits vor drei Jahren geleistet, als er das Ruder bei Getronics übernahm. (jha)