Gesundheitskarte macht Ärzte krank

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.

Wenn die vom Bundesgesundheitsministerium beauftragte Gematik GmbH, an der alle Verbände des deutschen Gesundheitswesens beteiligt sind, im kommenden Jahr mit der Auslieferung der ersten Kartenterminals beginnt, hat die elektronische Gesundheitskarte (eGK) bereits weit über zwei Jahre Verspätung. Zwar macht das Bundesgesundheitsministerium Druck, um endlich Ergebnisse vorweisen zu können. Doch selbst wenn der Rollout wie geplant 2008 beginnt, sind die Behörden von einer flächendeckenden Nutzung der Technik weit entfernt. Zunächst soll die Chipkarte in einem Bundesland starten in welchem, steht noch nicht fest.

Die in der Gematik organisierten Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen haben sich zwar verpflichtet, die eGK einzuführen, hinter den Kulissen schwelt jedoch Streit. Zu verschieden sind die Interessen der einzelnen Gruppen. So fürchten zum Beispiel die niedergelassenen Ärzte Mehraufwand und fordern vehement Entschädigung.

Inzwischen werden auch die versprochenen Effizienzgewinne offen angezweifelt. Die derzeit getestete Karte könne kaum mehr als die herkömmliche Versichertenkarte, lautet ein zentraler Vorwurf. Mehrwertdienste wie das eRezept, das künftig für die Chipkarte vorgeschrieben ist, würden schon lange ohne sie effizient abgewickelt, bemängelt etwa Manfred Klunk, Geschäftsführer IT bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns. Der Vorteil von freiwilligen Anwendungen wie der elektronischen Patiententakte sei sehr zweifelhaft, ergänzt Reiner Kern von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.

Mit der Kritik rücken auch die Kosten wieder in den Blickpunkt. Die Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums und der Gematik von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro hält Daniel Bahr, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, für sehr optimistisch. Andere Berechnungen gehen von einem mehr als doppelt so hohen Betrag aus. Allerdings lässt sich das Vorhaben angesichts der technischen Komplexität und der vielen Beteiligten derzeit kaum realistisch kalkulieren.

Ein Opfer haben die anhaltenden Querelen bereits gefunden. Dirk Drees, Geschäftsführer der Gematik, hat seinen Vertrag zum 30. November 2008 gekündigt. Er habe die Arbeit bei der Gematik nie als Lebensaufgabe gesehen, begründet er diesen Schritt. Allerdings habe auch das schwierige Umfeld zu seiner Entscheidung beigetragen. (Siehe ausführlichen Bericht auf Seite 5).

(ba, as)