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Geschäftsprozesse sind der Deutschen liebste Baustelle

13.06.2007
Vier von fünf deutschen Unternehmen beschäftigen sich in diesem Jahr stark oder sehr stark mit dem Geschäftsprozess-Management, so eine aktuelle Studie. SAPs Netweaver-Architektur ist dabei offenbar keine Orientierungsgröße.

Beim Geschäftsprozess-Management geht es Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in diesem Jahr primär um die Modellierung und die Qualitätsverbesserung. Wichtige Themen sind außerdem die Steigerung der Effizienz von Abläufen sowie deren Standardisierung und Harmonisierung. Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 130 Entscheidungsträgern auf Business- und IT-Ebene, die von der Beratungsgesellschaft Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der IDS Scheer AG zum sechsten Mal in Folge vorgenommen wurde.

Auffällig ist, dass einige Themen in der Gunst der Befragten deutlich abgefallen sind. Beispielsweise sehen die Manager das Compliance Management nur noch zu 20 Prozent als sehr wichtiges Thema – im Vorjahr waren 30 Prozent dieser Meinung. PAC schließt daraus, dass die Firmen hinsichtlich nicht-industriespezifischer Compliance-Themen wie Sarbanes-Oxley Act, IFRS oder Basel 2 in der Umsetzung weit fortgeschritten sind. Bezüglich industriespezifischer Compliance-Themen gebe es in einigen Branchen, vor allem in der Prozessindustrie, aber noch einiges zu tun.

So weit sind deutsche Unternehmen mit der Umsetzung von Geschäftsprozess-Management
So weit sind deutsche Unternehmen mit der Umsetzung von Geschäftsprozess-Management

Interessant ist auch der geringe Stellenwert, den die "Vorbereitung auf SAP Netweaver" bei den Firmen einnimmt (siehe auch: "Alles über Netweaver…"). Wie im Vorjahr halten nur 18 Prozent dieses Thema für wichtig oder sehr wichtig. PAC begründet die Zurückhaltung damit, dass Netweaver in den meisten Firmen lediglich als Ablaufumgebung für SAP-Programme gesehen werde und nicht als strategische Plattform für Service-orientierte Architekturen (SOA).

Den größten Rückschritt macht jedoch das Thema Outsourcing von Geschäftsprozessen (BPO), das nur noch von drei Prozent als sehr wichtig und von weiteren 13 Prozent als wichtig angesehen wird. Im Vorjahr war das Interesse deutlich größer. Trotzdem dürfte BPO akut bleiben: Nur noch 65 Prozent schließen die Auslagerung von Prozessen komplett aus, 2006 waren es noch 80 Prozent.

Zufriedenstellende Zwischenbilanzen

Die Art und Weise, in der die Prozessorientierung bislang im Unternehmen umgesetzt ist, bezeichnen drei Prozent der Befragten als sehr gut, 26 Prozent als gut und 42 Prozent als befriedigend. Am besten schneiden Unternehmen aus den Branchen Dienstleistungen, Medien und Transport ab, am unzufriedensten sind Industrieunternehmen. Auffällig ist, dass die Befragten nur im Bereich Auftragsabwicklung Fortschritte bei den Prozessen sehen. Andere Bereiche wie Logistik, Produktion, Marketing und Vertrieb oder Controlling werden ähnlich wie im Vorjahr oder schlechter mit Noten zwischen 2,3 und 3,1 beurteilt. Die PAC-Analysten erklären das mit dem gestiegenen Qualitätsbewusstsein beziehungsweise den höheren Ansprüchen bezüglich Prozess-Management.

Die Rolle der IT wird wichtiger

In dem Maße wie sich Prozessorganisationen durchsetzen, sind IT-Manager gefordert. In 39 Prozent der Fälle sind sie für das Geschäftsprozess-Management verantwortlich, in jeweils 38 Prozent die Geschäftsführer und Prozess-Owner und in 30 Prozent ist die Verantwortlichkeit nicht geregelt. In 22 Prozent der Firmen verantworten die Fachabteilungsleiter die Prozesse (bei dieser Frage waren mehrere Antworten möglich). In der Studie heißt es: "Die befragten Unternehmen sehen den CIO in Zukunft in einer weit strategischeren Rolle, bei der die Fähigkeiten des strategischen Denkens, der Kommunikation und vor allem auch der Geschäftskompetenz als Qualifikationen zunehmend im Vordergrund stehen sollen."

In welche Geschäftsprozesse Unternehmen in den nächsten drei Jahren investieren wollen.
In welche Geschäftsprozesse Unternehmen in den nächsten drei Jahren investieren wollen.

Mit der strategischen Rolle der IT geht die der Enterprise-Architektur einher. Sie stellt als abstraktes Gebilde das Unternehmen in seinen Elementen und Wechselbeziehung dar und setzt sich aus den Ebenen Geschäfts-, Anwendungs- und Datenarchitektur sowie Technologie zusammen. Die Hälfte der befragten Unternehmen beschäftigt sich ausgiebig mit dem Thema und stellt dabei die Übereinstimmung von Unternehmens- und IT-Architektur in den Vordergrund.

Mit SOA beschäftigen sich 40 Prozent der Befragten, bei weiteren zwölf Prozent steht das Thema auf der Agenda. Vor allem Großunternehmen sind SOA-affin, kleinere betriebe zögern noch, zumal sie oft nicht richtig verstanden haben, worum es geht. Für die Unternehmen, die sich mit SOA befassen, haben Geschäftsprozesse höchste Priorität. Sie erhoffen sich eine bessere Prozessunterstützung, mehr Flexibilität bei der IT-Ausrichtung auf strategische Ziele, eine Steigerung der IT-Effizienz und die schnellere Einführung neuer Anwendungen (siehe: "SOA und Geschäftsprozess-Management wachsen zusammen"). (hv)