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Gerüchte um Patentverletzungen im Linux-Kernel

19.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wüste Spekulationen umgeben einen Event, zu dem die Open Source Development Labs (OSDL) für den 25. Januar an den Sitz der Organisation in Beaverton, Oregon, eingeladen haben. Hier soll eine "Operation Open Gates" angekündigt werden, deren Inhalt zunächst nicht bekannt war. Das bot Anlass für Spekulationen.

In der Publikation "Linux Business Week" behauptete die Journalistin Maureen O'Gara, die OSDL, Intel, IBM und weitere IT-Unternehmen wollten bei der Veranstaltung eine Initative zur völligen Überarbeitung und Neuprogrammierung des Linux-Kernels bekannt geben. Das Ziel sei es, Programmteile zu ersetzen, die Patente verletzen. Insbesondere gehe es um 27 Patente von Microsoft und rund 100 von Privatpersonen, die mit einer Klage Linux-Firmen und -Anwender zu Kasse bitten könnten.

Der Artikel erwähnt, dass die Start-up-Versicherung Open Source Risc Management (OSRM) von 283 Patentrechtsverletzungen im Linux-Kernel berichtet habe. Mehr als die Hälfte der betroffenen Patente gehören allerdings Linux-freundlichen Firmen wie IBM, Intel, HP und Novell. OSRM hatte die fraglichen Stellen nicht öffentlich gemacht. Aber der Patentanwalt Daniel Ravicher, der auch die Free Software Foundation vertritt, habe die Befunde untersucht. Jetzt wolle er keine Stellung nehmen, weil sich sonst Linux-Anwender einer wissentlichen Urheberrechtsverletzung schuldigt machten.

Vertreter der OSDL wiesen die Darstellung als "nicht einmal annähernd akkurat", "einfach verrückt" und eine "komplette Erfindung" zurück. Bei der Veranstaltung am 25. Januar gehe es um die Open-Source-Strategie der Stadt Beaverton. Die Kommune wendet 1,2 Millionen Dollar für ihre Open-Source-Initiative auf. Dabei arbeitet sie eng mit der OSDL und deren Mitgliedern sowie mit der University of Oregon und Institutionen des US-Bundesstaats Oregon zusammen.

Kennern der Linux-Presseszene dürfte der Name Maureen O'Gara bekannt sein. Die Chefredakteurin des Nachrichtendienstes "LinuxGram" ist in letzter Zeit durch einige Linux-feindliche Beiträge aufgefallen. Ihre SCO-freundlichen Artikel über die Prozesse der Unix-Company gegen IBM, Red Hat und Novell fielen auf. Die Website Groklaw hat ihr falsche Darstellungen der Vorgänge in den Gerichtssälen nachgewiesen. (ls)