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Gerücht: Oracle liebäugelt mit SAP-Übernahme

31.01.2007
Hartnäckig halten sich Gerüchte, Oracle könnte eine Übernahmeangebot für SAP lancieren. Experten halten die Spekulationen jedoch für völlig aus der Luft gegriffen.

In den Gerüchteküchen der Börsianer brodelt es mal wieder. Spekuliert wird über eine Übernahmeangebot Oracles für das größte europäische Softwarehaus SAP. Der Datenbankspezialist hat in den zurückliegenden Jahren in einer beispiellosen Einkaufsaktion über 20 Milliarden Dollar in Akquisitionen gesteckt und dabei namhafte Softwareanbieter wie Peoplesoft, J.D. Edwards und Siebel geschluckt. Angeblich will Oracle-Boss Lawrence Ellison 38,5 Euro je SAP-Aktie bieten. Der Deal hätte damit ein Volumen von fast 48,8 Milliarden Euro. Keines der beiden Softwarehäuser hat sich bislang zu den Gerüchten geäußert.

Experten zufolge sind diese Gerüchte jedoch haltlos. Allein schon aus kartellrechtlichen Gründen hätte ein Zusammenschluss der beiden weltweit führenden Anbieter von Business Software wenig Chancen. Nach Einschätzung der Analysten von AMR Research kommt SAP auf einen Anteil von 43 Prozent an dem 29 Milliarden Dollar schweren ERP-Weltmarkt, gefolgt von Oracle mit 23 Prozent. Mit weitem Abstand liegen Sage (fünf Prozent) und Microsoft (vier Prozent) auf den nächsten Plätzen. Schon bei der Übernahme von Peoplesoft sahen die US-Wettbewerbshüter Oracle genau auf die Finger. Monatelang wurde die geplante Übernahme von den Behörden geprüft und erst nach langem hin und her genehmigt.

SAP wie Oracle tun sich derzeit schwer, die von den Börsen geforderte Wachstumsgeschwindigkeit zu halten. Oracle kann zwar aufgrund der Übernahmen gerade im Bereich Business-Software rasant zulegen, enttäuschte aber im zurückliegenden Dezember die Erwartungen der Analysten, was das Geschäft mit Applikationen anbelangt (siehe auch: Oracle erfüllt Erwartungen). Auch SAP hat zuletzt die eigenen Zielvorgaben in Sachen Lizenzgeschäft nicht erfüllen können. (siehe auch: Update: Quartalszahlen von SAP enttäuschen erneut - Aktie fällt deutlich)

Beide Softwareanbieter verfolgen unterschiedliche Strategien. Oracle baut seinen Softwarestack rund um Datenbank, Middleware und Applikationen mit Übernahmen kontinuierlich aus. Darüber hinaus soll mit Zukäufen von Spezialanbietern das eigene Branchenprofil geschärft werden. Erst vor wenigen Tagen waren Gerüchte aufgeflammt, Oracle sei an einer Übernahme des Business-Intelligence-Spezialisten Business Objects interessiert (siehe auch: Gerüchteküche: Will Oracle Business Objects schlucken?).

Die SAP-Verantwortlichen haben dagegen in der Vergangenheit immer wieder betont, kein Wachstum kaufen zu wollen. Vielmehr will der Konzern organisch wachsen, hieß es immer. Wenn SAP andere Firmen übernahm, dann handelte es sich in aller Regel um technische Verstärkungen. Ein Versuch, sich mit der Übernahme des Handelsspezialisten Retek Branchen-Knowhow zuzukaufen, scheiterte. Rivale Oracle funkte dazwischen und schnappte SAP das Softwarehaus mit einem höheren Gebot vor der Nase weg. Man habe seinen Aktionären keinen weiter gehenden Bieterwettkampf zumuten wollen, spielte SAP damals die Niederlage herunter. Weitere Versuche SAPs, mit größeren Übernahmen seine Branchenstandbeine zu stärken, blieben danach aus.

Allerdings wächst gerade auf SAP der Druck. Parallel zur Präsentation der jüngsten Quartalsbilanz kündigte Vorstandssprecher Henning Kagermann eine neue Mittelstandsinitiative an (siehe auch: SAP lüftet den Schleier über neuer Mittelstandssoftware - aber nur ein wenig). Mit einem völlig neuen Produkt, das in erster Linie als Hosting- und On-Demand-Variante angeboten werden soll, will der Konzern jährlich 10 000 neue Kunden gewinnen und ab 2010 eine Milliarde Euro mehr Umsatz pro Jahr erzielen.

Oracle und SAP pflegen schon seit Jahren ihre Feindschaft. Oracle-Boss Ellison lässt keine Gelegenheit aus, den Konkurrenten aus Walldorf zu ärgern und zu provozieren. Diese langjährige Rivalität lässt es zudem unwahrscheinlich erscheinen, dass eine spekulative Übernahme friedlich vonstatten gehen würde. Darüber hinaus dürften die unterschiedlichen Unternehmenskulturen einen Zusammenschluss erschweren. Dieses Argument war unter anderem mit ein Hinderungsgrund, warum eine vor etwa zwei Jahren angedachte Fusion von Microsoft und SAP gescheitert war. (ba)