Gerster präsentiert sein Konzept

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Der Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, möchte die Bundesbehörde so schnell wie möglich erneuern. Die wichtigsten Veränderungen sollen innerhalb von zwei Jahren über die Bühne gehen. Viele Vorschläge und Anregungen der Hartz-Kommission hat er bereits in sein Programm integriert.

Der neue Chef an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeit (BA) möchte die Behörde so schnell wie möglich in ein modernes Dienstleistungsunternehmen umwandeln. Nachdem die Hartz-Kommission am 16. August ihren Bericht „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ vorstellte, und das Bundeskabinett den Vorschlägen zustimmte, erläuterte Gerster knapp eine Woche später seine Pläne für den Umbau der BA in Berlin.

Einleiten möchte er sein Reformpaket mit einer Namensänderung. „Bundesagentur für Arbeit“ soll die Nürnberger Behörde künftig heißen. Wie im Bericht der Hartz-Kommission gefordert, soll die Bundesagentur für Arbeit eine aktivere Rolle in den lokalen Arbeitsmärkten spielen. Dazu gehören engere Kontakte zu den Arbeitgebern und Akquisition von offenen Stellen, um die Arbeitssuchenden schneller zu vermitteln. Um die neuen Aufgaben zu bewältigen, sollen künftig mehr Berater in der Arbeitsvermittlung aktiv werden. Bisher sind nur zirka 30 Prozent der 90000 BA-Beschäftigten in der Vermittlung tätig. Bis Mitte 2003 möchte der BA-Vorstand flächendeckend die bestehenden Arbeitsämter in Job-Center umgestalten, die umfassende Beratungsleistungen bieten sollen.

Nach den Plänen der Hartz-Kommission sind die Job-Center künftig auch für die Vermittlung von erwerbsfähigen Sozialhilfeempfängern zuständig. Private Arbeitsvermittler sollen die Mitarbeiter der Arbeitsämter stärker als bisher bei der Jobvermittlung unterstützen. Für die ebenfalls von der Kommission geforderten Personal-Service-Agenturen (PSA), die arbeitslose Menschen beschäftigen, fortbilden und an Unternehmen verleihen sollen, sieht Gerster drei unterschiedliche Organisationsformen vor, und zwar als privatwirtschaftliche Agenturen, in der Trägerschaft der BA und als Mischformen. Auch hier sollen bis Mitte kommenden Jahres alle 181 Arbeitsamtsbezirke über eine PSA verfügen.

Auch die Internet-Angebote und elektronischen Stellenbörsen des Arbeitsamtes (SIS) sollen verbessert werden. Auf die 90 000 Mitarbeiter der BA kommen vielfältige Veränderungen zu. Gerster möchte mehr Eigenverantwortung fördern, gleichzeitig aber auch klare Zielvorgaben inklusive einer leistungsabhängigen Bezahlung für seine Angestellten einführen. Langfristig bedeuten die Veränderungen wohl das Ende des jetzigen Beamtenprivilegs. Mit persönlichen Entwicklungsplänen, die auf fünf Jahre ausgelegt sind, sollen die Mitarbeiter zukünftig flexibler eingesetzt werden und nach dieser Frist neue Aufgaben übernehmen können. Mit einem Leistungsvergleich zwischen den einzelnen Arbeitsämtern möchte der neue Chef die ehemalige Behörde endgültig ins 21. Jahrhundert befördern.