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Gericom stoppt eigene Notebook-Fertigung

09.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die österreichische Gericom AG zieht Konsequenzen aus dem Einbruch im Kerngeschäft: Das Linzer Unternehmen will sich aus der Endfertigung von Notebooks zurückziehen und stattdessen künftig vorwiegend auf den Verkauf von Flachbildschirmen konzentrieren. Wie die "Oberösterreichischen Nachrichten" berichten, holt sich Gericom dazu noch im Februar einen großen chinesischen Elektronikhersteller als Partner, der sich mittelfristig auch am Aktienkapital beteiligen soll. Damit werde das Unternehmen zum "Vertriebsarm" einer asiatischen Firma und sei künftig nur für Verkauf, Controlling und Ersatzteilbeschaffung verantwortlich.

"Wir würden in der Form wie jetzt keine zwei bis drei Jahre mehr überleben", erklärt Gericom-Finanzvorstand Patrick Prügger. Seinen Angaben zufolge trägt der heftig umkämpfte Notebook-Bereich aktuell noch 62 Prozent zum Umsatz bei. Der Rest, das Geschäft mit Flachbildschirmen, Fernsehern und Zubehör, soll stark ausgeweitet werden. Ganz aufgeben werden die Österreicher das PC-Geschäft aber aus taktischen Gründen nicht, so Prügger. Bald gebe es Plasma-Fernseher, die mit Festplatte und DVD-Laufwerk ausgestattet sind.

Eine Großserienproduktion von Notebooks habe es in der Linzer Zentrale im vergangenen halben Jahr ohnehin nicht mehr gegeben, erläutert der Finanzchef. Die Mitarbeiter hätten nur mehr Kleinserien erzeugt und Reparaturen durchgeführt, was sich aber nicht mehr gerechnet habe. Diese Arbeiten würden künftig an externe Anbieter ausgelagert.

Nachdem im ersten Quartal bereits 35 Stellen in der Produktion wegfallen sollen, werden im Jahresverlauf weitere Einschnitte folgen. Man versuche allerdings, erklärte Prügger, einige Beschäftigte anderweitig unterzubringen. Derzeit beschäftige Gericom noch 220 Mitarbeiter.

Nach dem miserablen Geschäftsjahr 2003, als Gericom nach einem Nettoverlust von 17,2 Millionen Euro die Insolvenz drohte (Computerwoche.de berichtete), wird das Unternehmen am 31. März anders als angekündigt noch immer ein "leicht negatives" Ergebnis vorlegen. Auch die Beziehungskrise mit dem Essener Elektronikgroßhändler Medion (Computerwoche.de berichtete), der den Österreicher mit einer Finanzspritze vor der Pleite rette, ist noch nicht beigelegt. Presseberichten zufolge beschäftigt sich seit Januar das Landgericht Bochum mit dem Fall. (mb)