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Gerichtsurteil nimmt Kreditkartenunternehmen in die Pflicht

20.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Kreditkartenunternehmen Euro Kartensysteme aus Frankfurt/Main hat 500 Serviceverträge über die Abrechnung von Kreditkartenumsätzen gekündigt. Betroffen sind in erster Linie mittelständische Händler, die allesamt aus dem mit einem hohen Missbrauchsrisiko verbundenen Bereich Mail-/Telefon-Order und E-Commerce kommen.

Grund für die Maßnahme war ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 16. April diesen Jahres. Demnach müssen die Kreditkartenunternehmen ab sofort bei Zahlungen via Internet oder Telefon das Ausfallrisiko tragen. Dies bedeutet, dass sie eine Zahlungsgarantie für alle Kartenumsätze abgeben, die ein Unternehmen auf Basis einer schriftlichen, telefonischen oder Online-Bestellung einreicht.

Bislang übernahmen die Händler das Risiko, wenn ein Kreditkarteninhaber bestritt, die Käufe selbst getätigt zu haben. Anschließend mussten sie sich mit dem Karteninhaber über die Rechtmäßigkeit ihrer Forderungen auseinander setzen.

Nach Angaben von Jan Hendrikx, Vorstandsvorsitzender der Euro Kartensysteme, ist der Kartenmissbrauch bei in Deutschland ausgegebenen Euro- und Mastercards 2001 im Bereich Mailorder/Internet im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gestiegen. Obwohl nur bei 0,1 Prozent vom Gesamtumsatz die Zahlung verweigert werde, sieht Hendrikx durch das Urteil ein untragbares wirtschaftliches Risiko auf sein Unternehmen zukommen. Bei Vorschlägen der Händler über eine gerechtere Verteilung der Risiken sei Euro Kartensysteme jedoch bereit, sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen.

Euro Kartensysteme akquiriert Vertragspartner für Visa und Eurocard. Zu den Kunden zählen fast 400.000 Handels- und Dienstleistungsunternehmen in Deutschland. (mb)