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Gericht will mehr Informationen von SCO und IBM

04.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die im Rechtsstreit zwischen SCO und IBM vorsitzende Richterin Brooke Wells hat von beiden Parteien zusätzliche Informationen eingefordert. SCO, so die Magistrate Judge, habe noch nicht ausreichend nachgewiesen, dass IBM proprietären Unix-Code in Linux überführt habe, und soll daher "alle spezifischen Code-Zeilen nennen und identifizieren, die IBM angeblich aus entweder AIX oder Dynix zu Linux beigesteuert hat". Wells wiederholte zudem ihre bereits im Dezember gemachte Aufforderung, SCO solle "identfizieren, an welchen Zeilen des Linux-Quellcodes es Rechte geltend macht". Überdies soll SCO die Codezeilen aus Unix System V benennen, die von IBM für abgeleitete Technik ("derivative works") in AIX und Dynix verwendet und dann in Linux übertragen sein sollen.

IBM wiederum soll SCO den Quellcode von AIX und Dynix übergeben. SCO hatte dies von Beginn an gefordert, die Richterin hatte dieses Ansinnen aber zunächst zurückgestellt, bis SCO den Hintergrund seiner Forderungen gegenüber IBM näher ausführen würde. Big Blue soll ferner "jegliche und alle nicht-öffentlichen Beiträge, die es zu Linux gemacht" sowie Dokumente im Zusammenhang mit internen Linux Projekten einreichen, darunter Memos von Konzernchef Sam Palmisano und des Linux-Strategen Irving Wladawsky-Berger.

Rechtsanwalt David Schlitz von der auf Urheberrecht spezialisierten Kanzlei Burns, Doane, Swecker & Mathis kommentierte: "Jetzt geht es bei dem Fall ans Eingemachte. SCO muss jetzt mit den Details herausrücken." Die Code-Zeilen und Memos dürften aber nach seiner Einschätzung aufgrund der im Fall verhängten Protective Order nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken. SCO verlangt in dem Prozess inzwischen mehr als fünf Milliarden Dollar Schadenersatz von Big Blue, das Fehlverhalten abstreitet und mit Gegenklagen wegen unter anderem Patentverletzung gekontert hat. (tc)