Gerhard Oswald, SAP: "Wir messen uns nicht mit EDS oder IBM"

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Wie SAP mit der Business Process Platform auch sein Dienstleistungsangebot verändert, erklärt Vorstand Gerhard Oswald im Gespräch mit CW-Redakteur Wolfgang Herrmann.

CW: SAPs Stammgeschäft mit Softwarelizenzen wächst längst nicht mehr so schnell wie einst, in manchen Regionen gehen die Einnahmen sogar zurück. Müssen Sie sich nicht viel stärker als Servicelieferant aufstellen? OSWALD: Der Markt erwartet von uns eine gewisse Profitabilität. Kein Serviceanbieter erreicht heute eine Gewinnmarge von 30 Prozent. Für SAP liegt der Schwerpunkt weiterhin auf der Software, wenn auch mit ergänzenden Dienstleistungen. Als reiner Serviceprovider müssten wir ganz andere Unternehmensziele verfolgen.

CW: Welche Ziele haben Sie sich für die Servicesparte gesteckt? OSWALD: In erster Linie geht es darum, wie wir das Softwaregeschäft mit Services unterstützen können. Für uns steht also nicht die Frage im Vordergrund, wie wir einen bestimmten Service gegenüber einem konkurrierenden Dienstleister positionieren.

CW: IBM nutzt seine Global-Services-Sparte (IGS) erfolgreich, um Produkte wie Server oder Infrastruktursoftware zu vertreiben. Dabei konkurriert IGS durchaus mit anderen Dienstleistern. OSWALD: Unsere Strategie unterscheidet sich von denen der klassischen IT-Dienstleister. Wir messen uns nicht mit IGS oder EDS, sondern konzentrieren uns auf Softwareprodukte.

CW: Wie wird sich die geplante Übernahme von Siebel durch Oracle auf SAPs Servicestrategie auswirken? OSWALD: Investitionsschutz und zuverlässige Partnerschaften zählen zu den zentralen Themen für Unternehmen. SAP wird allen Kunden einen zuverlässigen Investitionsschutz bieten sowie einen klaren Migrationspfad zu SAP-Lösungen.

CW: Im Zusammenhang mit der Business Process Platform (BPP) hat SAP auch grundlegende Veränderungen im Servicebereich angedeutet. Was planen Sie konkret? OSWALD: Es ist vollkommen klar, dass wir unsere diesbezüglichen Services stark erweitern werden, sowohl für unsere Partner als auch für unsere direkten Kunden.