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Gemplus fordert Rücktritt zweier Aufsichtsratsmitglieder

25.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der französische Smartcard-Spezialist Gemplus will am 22.Oktober eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um über den Rauswurf von Firmengründer und Ex-CEO Marc Lassus sowie dessen Verbündeten Ziad Takiedinne aus dem Aufsichtsrat abzustimmen. Das Unternehmen folgt damit einer Empfehlung des Verwaltungsrats. Dieser drängt zur Abwahl, da es den beiden Direktoren an der nötigen Loyalität sowie an Diskretion mangele. Den Topmanagern wird unter anderem vorgeworfen, Informationen über Gespräche im Aufsichtrat an die Presse weitergegeben zu haben. Außerdem kündigte Gemplus rechtliche Schritte gegen Lassus an, da dieser offenbar weder Willens noch in der Lage sei, einen privaten Kredit über 77 Millionen Euro von einer Tochtergesellschaft zurückzuzahlen. Das Darlehen läuft Ende nächsten Jahres aus.

Bei einer Abwahl will Gemplus die Anzahl der Aufsichtsratsmitglieder von 13 auf 12 senken und Johannes Fritz als Vertreter der Aktionärsfamilie Quandt für den freigewordenen Posten vorschlagen. Weitere Punkte auf der Tagesordnung sind die Bestätigung von Dominique Vignon und Alex Mandl als neue Mitglieder des Aufsichtsrats. Außerdem soll über Mandls Aufwandsentschädigungen als neuer CEO entschieden werden. Der Topmanager wurde im August trotz großem Widerstand im Aufsichtsrat zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Einige Board-Mitglieder, darunter auch Takieddine, hatten befürchtet, dass Mandls Verbindungen zu CIAs Technologie-Startup In-Q-Tel Gemplus dabei schaden könnte, seine Smartcard-Technologie in einigen Ländern zu verkaufen. Der neue CEO trat daraufhin von seinem Aufsichtsratsposten bei In-Q-Tel zurück. (mb)