Gemischte Teams auf dem Vormarsch

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
SAP-Berater müssen neben ihrem Software-Know-how auch Branchenwissen haben und mit sozialer Kompetenz glänzen. Oft lassen sich diese Fähigkeiten nicht in einer Person vereinen.

Der IT-Arbeitsmarkt erholt sich, und der Fachverband Bitkom spricht bereits von einem drohenden Fachkräftemangel. Auch wenn sich über diese Einschätzung die Arbeitsmarkt-Experten noch streiten, sind sie sich in einem einig: Die SAP-Fachleute gehören auf jeden Fall zu den Gewinnern.

Die Altran-Gruppe, die in Deutschland rund 1000 Consultants beschäftigt, sucht Berater, die sich in den Bereichen Customer-Relationship-Management, Business Intelligence und Innovations-Management auskennen. Der Geschäftsführer von Altran-IT, Tochterfirma der Altran Gruppe, Roland Pfletschinger: "Neben technischem Wissen legen wir großen Wert auf die Persönlichkeit des Bewerbers sowie seine sozialen Kompetenzen." Da die Berater beim Kunden vor Ort tätig seien, müssten sie eloquent reden und überzeugen, aber auch gut zuhören können. Die Anforderungen der Kunden richtig zu verstehen ist nach Meinung des französischen Geschäftsführers das A und O in der Beratung: "Technische Kenntnisse können einem neuen Mitarbeiter eher näher gebracht werden als Teamgeist oder Kommunikationsfähigkeit."

Menschenkenntnis gefragt

Peter Dorr entschied sich vor sechs Jahren bewusst für den Job als SAP-Berater bei Altran-IT: "Nachdem ich in den USA zwei Praktika absolviert hatte, hatte ich mir nach meiner Rückkehr in den Kopf gesetzt, einen Job zu finden, in dem ich reisen kann, der mit der IT zu tun hat und in dem ich beratend tätig sein kann." Dorrs Schwerpunkt liegt auf der Prozessberatung. Um hier erfolgreich tätig zu sein, müsse er in erster Linie verstehen, wie Unternehmen funktionieren. Aus diesem Grund befragt Dorr die Mitarbeiter des Kunden, wie die Unternehmensstrukturen aussehen, und legt dann mit den Kollegen gemeinsam fest, wie man das SAP-Modell abbilden kann: "Ein erfolgreicher SAP-Berater kann gut zuhören, verfügt über ausgezeichnete Menschenkenntnis und kann sich in den Kunden hineindenken. Nur so ist er in der Lage, zu ihm eine exzellente Beziehung aufzubauen."

Die Programmierung selbst gehört nicht zu seinem Berufsalltag. Der Altran-Berater stimmt die notwendigen Programmierarbeiten mit den Key-Usern beim Kunden sowie dem Entwickler ab. Dorr muss darum zwar wissen, wie die SAP-Lösung, Programmierlogik und Datenbanken funktionieren. Am wichtigsten sei aber die Kenntnis der Prozesse, um den Kunden die Möglichkeiten, die die SAP-Software bietet, vermitteln zu können.

Für Dorr liegt der Reiz des Beraterjobs darin, gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu finden und auch umzusetzen. Gemischte Teams würden sich dabei momentan auf dem Vormarsch befinden. High Potentials, die sich für die SAP-Beratung interessieren, rät er, sich Branchenwissen anzueignen und ihre Affinität zur IT zu prüfen. Dorr: "In diesem Job wird nicht nur beraten, sondern auch getestet und analysiert. Dafür benötigt man Kreativität, Flexibilität und eine gute Portion Eigenmotivation."

Stefan Rendl, der in Österreich und in Finnland Wirtschaftsinformatik studiert hat, arbeitet seit einem Jahr bei Altran-IT. Vorher sammelte er Erfahrungen bei einem Anwenderunternehmen, das SAP-Software einsetzte. Rendl: "Mit diesem erworbenen Wissen bin ich dann zu Altran gewechselt. Hier gibt es viele Möglichkeiten sich einzubringen. Einige Kollegen wollen gern programmieren, andere - zu denen ich gehöre - bevorzugen die organisatorische Richtung." Zurzeit arbeitet der IT-Experte im Prozess- und Projekt-Management sowie der Softwareausschreibung. All diese Tätigkeiten finden vor Ort beim Kunden statt.

Kein stilles Kämmerlein

Er schätzt diese Zusammenarbeit: "Die Abstimmung untereinander besitzt oberste Priorität. Deshalb gehören Besprechungen und Workshops zum beruflichen Alltag." SAP-Berater zu sein heißt für ihn, Technik und Unternehmensprozesse zu verstehen, über Organisationskenntnisse zu verfügen und sehr kommunikativ zu sein. Rendl: "SAP-Projekte bedeuten vor allem Organisation." Für den IT-Fachmann steht fest, dass Erfahrungen im SAP-Umfeld auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Genau diese will er bei Kunden einsetzen, um sie bei ihren Projekten zu unterstützen: "Berater dürfen auf keinen Fall im stillen Kämmerlein vor sich hinwerkeln, sie müssen vielmehr als Moderator und Integrator auftreten." (hk)