Web

 

Gemischte Gefühle bei der Telekom

26.04.2001
An den gestrigen Tag wird sich die Deutsche Telekom sicher noch lange erinnern: Zwar darf sie wohl ihren US-Wunschkandidaten Voicestream übernehmen, allerdings muss sie die "Letzte Meile" in Deutschland der Konkurrenz öffnen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Gemischte Gefühle dürften angesichts zweier wichtiger Entscheidungen bei der Deutschen Telekom herrschen Zwar darf der Bonner Carrier wohl seinen US-Wunschkandidaten Voicestream übernehmen, allerdings muss er die "Letzte Meile" in Deutschland der Konkurrenz öffnen.

Die US-amerikanische Fernmeldeaufsicht FCC (Federal Communications Commission) hat gestern entschieden, die geplante Übernahme des GSM-Anbieters Voicestream stehe nicht im Widerspruch zum öffentlichen Interesse. Die Entscheidung fiel einstimmig. Im Vorfeld hatte es teils erheblichen politischen Widerstand gegeben, weil der staatliche Anteil an der Telekom mit 58 Prozent immer noch sehr hoch ist. Nun scheint die wichtigste Hürde für den Einstieg der Telekom in den US-Markt genommen. Als letztes muss noch der unter Führung des US-Schatzamts stehende Ausschuss für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) grünes Licht geben. Das Gremium hat dazu 30 Tage Zeit, kann aber auch eine intensivere Untersuchung von weiteren 45 Tagen anordnen. Und natürlich müssen auch noch die Telekom-Aktionäre auf der Hauptversammlung am 29. Mai ihren Segen geben.

Weniger erfreulich für die Telekom urteilte das Bundesverwaltungsgericht. Es entschied in der Berufung, dass der Konzern seinen Konkurrenten die Leitungen zum Endkunden - die so genannte Letzte Meile - ohne Bedingungen oder Zusatzleistungen als "blanken Draht" zur Verfügung stellen muss. Dies hatte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post RegTP bereits vor drei Jahren angeordnet; die Telekom hatte ihrerseits gegen die Entscheidung geklagt. Im Jahr 2000 erreichten die Wettbewerber des ehemaligen Staatsmonopolisten im Ortsnetz erst 1,5 Prozent Marktanteil - aus Sicht der RegTP der "eigentliche Flaschenhals" im TK-Wettbewerb.