Geschäftsprognosen korrigiert

Gegenwind für Nokia nimmt zu

31.05.2011
Zunehmender Wettbewerbsdruck nötigt den finnischen Handy-Hersteller Nokia zu einer Korrektur seiner Geschäftsprognosen.

Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, dass der Umsatz mit Geräten und Diensten im zweiten Quartal deutlich hinter der bisherigen Erwartung von 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro zurückbleiben werde. Dies wirke sich auch auf die Ertragslage aus, bei der die Prognose einer Marge von sechs bis neun Prozent beim Betriebsgewinn nicht mehr zu erreichen sei.

Zumindest in Sachen Windows Phone sieht der frühere Microsoft-Manager Stephen Elop Nokia noch auf Kurs.
Zumindest in Sachen Windows Phone sieht der frühere Microsoft-Manager Stephen Elop Nokia noch auf Kurs.
Foto: Nokia

Vorstandschef Stephen Elop sagte während einer Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren, besonders in Europa drängten immer mehr Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android in den Markt. Hier mache sich auch ein deutlicher Preisdruck bemerkbar. Android-Smartphones werden von mehreren Herstellern angeboten, darunter Samsung, HTC und Motorola. Elop verwies außerdem auf Probleme in China und räumte ein, dass es dort auch Managementfehler gegeben habe. Der Wettbewerbsdruck sei sowohl bei den hochwertigen Smartphones spürbar als auch bei einfachen Handys, in der Branche als "Feature Phones" bezeichnet.

Acht Monate nach der Übernahme des Vorstandsvorsitzes sagte Elop, Nokia befinde sich in einer schwierigen Übergangsphase. Im Februar stellte Elop, der von Microsoft zu Nokia gekommen war, einen grundlegenden Strategiewechsel vor: Der langjährige Marktführer will seine Smartphones, also Mobiltelefone mit umfassenden Computer- und Internet-Funktionen, künftig nicht mehr mit dem eigenen Symbian-System ausstatten, sondern mit dem Microsoft-System Windows Phone.

"Bei unserer Windows-Phone-Initiative sind wir ganz optimistisch", sagte Elop. Das erste Nokia-Gerät mit Windows Phone werde es bereits bis Ende des Jahres geben. "Die Fortschritte auf Seiten von Windows Phone sind sehr, sehr gut", betonte der Manager. Nokia entwickelt für bestimmte Geräte aber auch Symbian weiter und hofft auf den Erfolg neuer Geräte, die zwei SIM-Karten von Mobilfunkanbietern nutzen können und die in der vergangenen Woche eingeführt wurden.

Nokia-Aktie im Sturzflug

Die Aktien von Nokia sind nach der gesenkten Quartalsprognose eingebrochen. Bis 15.20 Uhr büßten die Titel des finnischen Unternehmens 14,86 Prozent auf 4,904 Euro ein, während der EuroStoxx 50 zugleich um 1,84 Prozent auf 2.866,10 Punkte stieg.

"Die Zahlen sind insbesondere im Vergleich zur Konkurrenz grottenschlecht", urteilt Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Wenn man sich die Zahlen von Apple beispielsweise ansieht, scheint Nokia nicht wirklich hinterherzukommen." Weitere Börsianer sprachen nicht nur von einer Enttäuschung, sondern vermuten inzwischen sogar, dass Nokia den Markt zuvor "getäuscht" haben könnte mit seinem Ausblick.

Dass die Aktie so dermaßen stark verkauft werde, sei "keine riesige Überraschung", meinte auch Händler Markus Huber von ETX Capital. Die veröffentlichten Zahlen seien "wirklich schrecklich" und zudem unerwartet gekommen. "Erneut wird deutlich, dass Nokia nicht wettbewerbsfähig ist, vor allem mit Blick auf Smartphones." Während Apples iPhone und Googles Android zunehmend gefragt seien, bleibe Nokia immer mehr zurück und es sei extrem schwer, einmal verlorene Marktanteile zurückzugewinnen.

"Manch einer fürchtet inzwischen, dass die Kooperation mit Microsoft, die im vierten Quartal erste Früchte tragen soll, keinen so großen positiven Effekt haben wird bis bislang gedacht." Diese Kooperation dürfte nach Ansicht des Händlers nun nicht mehr ausreichen. "Eine ganze Reihe neuer Produkte und auch diverse Wechsel im Management werden benötigt. Am besten wäre für Nokia jemand mit Visionen wie etwa Steve Jobs von Apple."

Gleichwohl will Nokia wegen der Unwägbarkeiten der Marktentwicklung keine Prognosen für die weitere Geschäftsentwicklung in diesem Jahr mehr abgeben. Die bisherigen Prognosen seien nicht mehr gültig, erklärte das Unternehmen. Elop kündigte weitere Bemühungen um Kostensenkungen an. (dpa/tc)

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