CW-Kolumne

Gefährliches Halbwissen

20.01.2009

So richtig beliebt ist das Thema IT-Governance in CIO-Kreisen nicht. Eine mögliche Antwort darauf, warum das so ist, gibt die Wikipedia: "IT-Governance zielt darauf ab, dass Erwartungen an die IT bekannt sind und dass die IT in der Lage ist, diese Erwartungen auch zu erfüllen. Dabei sollen mögliche Risiken entschärft werden. In diesem Sinne wäre es richtiger, von der Enterprise Governance over IT als von IT-Governance zu sprechen. IT-Governance spielt sich nämlich nicht in der IT-Organisation ab, sondern außerhalb."

IT-Governance ist demnach nicht nur Sache des CIO, sondern auch anderer Topmanagement-Funktionen. Das ist logisch, soll IT-Governance doch dafür sorgen, dass die IT die Strategien, Werte und Visionen des Unternehmens optimal unterstützt. Ärgerlicherweise wissen aber viele Manager gar nicht, was sie von der Technik erwarten - oder sie können es nicht konkret formulieren. Da es ihnen selten an Selbstbewusstsein mangelt, steigen sie trotzdem gleich in die Diskussion ein - meistens direkt auf technischer Ebene. Das bringt nicht nur so manchen IT-Verantwortlichen zur Verzweiflung, es sorgt auch für unnötigen Druck, der zu hektischen und unüberlegten Eingriffen in die IT-Landschaft führt.

Umfragen zeigen, dass in vielen Unternehmen nur eine Minderheit der Topmanager in Kürze formulieren kann, welche Aufgabe die Unternehmens-IT zu erfüllen hat und inwieweit sie diese Anforderungen de facto unterstützt. Dabei geht es um die prinzipielle Rolle der IT im Unternehmen, aber auch um IT-Architekturfragen, den Einsatz von Shared-IT-Services, die Ressourcenanforderungen einzelner Projekte oder um IT-Kosten und deren sinnvolle Priorisierung.

Für den erfolgreichen IT-Einsatz im Unternehmen ist es aber erfolgskritisch, dass in Sachen IT-Governance alle Verantwortlichen im Boot sind und synchron rudern. Die Entscheidungsparameter und -mechanismen müssen allen bekannt sein und jeweils mitgetragen werden. Wenn das erreicht ist, verliert die IT den Hautgout des Mysteriösen und kann wirklich strategisch genutzt werden. Und auch die Governance-Aufgabe, den Business-Wert der IT ungeschönt zu beschreiben, wird leichter, weil die Verantwortung für zentrale Entscheidungen auf vielen Schultern liegt und kein Raum für einseitige Schuldzuweisungen bleibt.