APTs, BYOD, Web Apps, Big Data

Gefährliche Einfallstore im Unternehmensnetz

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Welchen IT-Sicherheitsrisiken sehen sich Unternehmen derzeit ausgesetzt? Die COMPUTERWOCHE macht eine Bestandsaufnahme.
Auch wenn Unternehmen ihre Systeme noch so gut absichern - einer kommt immer durch.
Auch wenn Unternehmen ihre Systeme noch so gut absichern - einer kommt immer durch.
Foto: Fotolia, ktsdesign

Einig sind sich Marktbeobachter, dass "Advanced Persistent Threats" (APTs) langfristig die größte Gefahr sowohl für Unternehmen als auch für staatliche Einrichtungen darstellen. Das gezielte Eindringen von Angreifern in kleine, teils hochkritische Netze genießt auch wegen der Raffinesse der eingesetzten Mittel derzeit unter Security-Experten oberste Priorität. Dass das Problem besonders in Deutschland akut ist, hat laut Gerald Hahn, CEO des Cloud-Distributors Softshell, mit der hierzulande immer noch herrschenden Ignoranz des Themas IT-Sicherheit auf Vorstandsebene zu tun. "Deutschland ist rückständig, was das angeht", so Hahn.

Kritische Infrastrukturen seien nicht ausreichend gesichert, raffinierte Angriffe würde entweder gar nicht oder nicht als solche wahrgenommen. "Das Budget der Cyberkriminellen übersteigt das Budget der IT-Security-Branche um ein Vielfaches", rechnet Hahn vor. Es verwundere daher nicht, dass die ausgefeilten Attacken auf Netze, in denen sich wertvolle Informationen und Daten befänden oder die kritische Infrastrukturen steuerten, immer schwerer bis gar nicht mehr auszumachen seien. "Es entwickelt sich hier eine neue Art von Bedrohung, die auf strategische Ziele gerichtet ist", berichtet Alfred Zapp, Mitglied der Geschäftsleitung beim Beratungshaus CSC.

Die Gefahr wächst weiter

M86 Security, Anbieter von Lösungen für Netzwerksicherheit, rechnet damit, dass APTs im Jahr 2012 noch komplexer werden. "Diese Angriffe werden zudem eine noch größere Zahl von Unternehmen mit kritischen Infrastrukturen, staatlichen Behörden und militärischen Einrichtungen betreffen", heißt es im jüngsten M86 Security Labs Report. Und auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) konstatiert in seinem Report "Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2011": "Organisierte Kriminelle und auch Nachrichtendienste führen heute hoch professionelle IT-Angriffe auf Firmen, Behörden und Privatpersonen durch. Die Methoden werden immer raffinierter, und die Abwehr von Angriffen erfordert einen höheren Aufwand."

Michael George vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz sieht den Spagat zwischen sicherheitspolitischer Verantwortung und technisch-strategischer Kompetenz als größte Herausforderung der kommenden zehn Jahre: "Viele, die in der Verantwortung stehen, haben keine Ahnung. Meine Sorge ist nur, dass wir dazu neigen, erst dann zu reagieren, wenn eine Art IT-Fukushima eingetreten ist." Behörden und Unternehmen beginnen nur langsam, auf dem Gebiet der digitalen Gefahrenabwehr zusammenzuarbeiten. Viele Hindernisse wie gegenseitiges Misstrauen und Zuständigkeitsfragen sind noch lange nicht überwunden. Mit dem "Nationalen Cyber-Abwehrzentrum" (NCAZ) will Deutschland einen großen Schritt in die richtige Richtung gehen.

Was Unternehmen schon jetzt tun können, um nicht das Opfer von Cyberspionage und -sabotage zu werden? Thorsten Krüger, Director Regional Sales beim Datensicherheits-Dienstleister SafeNet, meint, dass das regelmäßíge Monitoring des Netzverkehrs, die Verschlüsselung aller Daten, Mitarbeiter-Awareness-Schulungen und ein geeignetes Identitätsmanagement derzeit die Zäune hochziehen, in deren Überwindung aktuell kaum ein Angreifer investiert. "Trennen Sie Ihre Daten zudem nach Wichtigkeit und Zuständigkeit", rät Krüger. Eine gezielte Spionageattacke, beispielsweise auf Patente und Strategiepapiere, sollte so aufwändig wie möglich werden. Mehr ist aktuell kaum möglich.