Geek-Appartement sucht solventen Käufer

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Ein japanischer Baukonzern entwickelt gemeinsam mit Sony die Wohnung der Zukunft - ein Paradies zumindest für so genannte Geeks, computerzentrierte Junggebliebene, die fließend Klingonisch sprechen können.

Al Gore ist beinahe ein Geek, schließlich will der ehemalige US-amerikanische Vizepräsident das Internet erfunden haben. Admiral Grace Hopper ist ein weiblicher Geek, denn sie hat die Programmiersprache Cobol entwickelt. Der König aller Geeks ist jedoch Bill Gates, reichster Windows-Anwender der Welt: Er hat sich ein Haus bauen lassen, in dem so gut wie alles elektronisch gesteuert werden kann. Damit konstruierte er sich ein persönliches Geek-Paradies, ein elektronisches Nirwana an der verregneten Westküste der USA.

Doch Microsofts Erzkonkurrent Sony hat die Herausforderung angenommen und eine Wohnung entworfen, die dem Hause Gates den Rang ablaufen soll: Voll gepackt mit elektronischem Gerät, komplett vernetzt, bis zur Schmerzgrenze automatisiert und mit einer Glasfaserverbindung an die Welt angeschlossen. Standesgemäß wird das „S-Style“-Appartement im 40-stöckigen „Tokio Times Tower“ mitten im Elektronikviertel Akihabara (E-Town) gebaut.

Fotos: Kajima Corp.
Fotos: Kajima Corp.

Hier kann der künftige Grundbesitzer nicht nur auf fünf riesigen Displays pflichtgemäß der „Star-Trek“-Serie folgen, das Appartement sieht auch noch wie die Unterkunft von Captain Jean-Luc Picard auf der „Enterprise“ aus: Dünne, blaue Lichtleisten an der Decke, dem Boden und unter dem Bett tauchen die 60 Quadratmeter in eine spacige Atmosphäre. Hier wohnen keine Geeks, hier blühen sie förmlich auf.

Es fällt schwer, sich im Appartement den Videowänden zu entziehen, denn selbst das Badezimmer wird durch einen Projektor auf Wunsch und Knopfdruck mit Filmen bestrahlt. Im Wohnzimmer hingegen thront ein riesiger Plasmaschirm über allem Geschehen. Das Schlafzimmer verfügt über einen Boden aus rostfreiem Edelstahl, wobei sich das zugrundeliegende Motiv nicht auf Anhieb erschließt. Vielleicht soll dadurch der Elektrosmog in den eigenen vier Wänden gehalten werden. Ins Metall eingelassen ist wiederum ein Beamer, so dass man auf dem Rücken im Bett liegen und den Film an der Decke anschauen kann. Sehr praktisch und leichter zu pflegen als ein typischer Geek-Spiegel.

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