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Neue Erinnerungslücke im Prozeß

Gates wollte IBM an den Kragen

16.12.1998
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Neue Erinnerungslücke im Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Antitrust-Prozeß wurde erneut ein Ausschnitt aus der auf Video vorliegenden Aussage von Microsoft-Chef Bill Gates vorgeführt. Hintergrund war eine E-Mail-Korrespondenz von Gates mit seinem Vice-President Joachim Kempin aus dem Jahr 1994, in dem es um die aus beider Sicht übertriebene Unterstützung von Lotus Notes durch die IBM (damals noch separate Unternehmen) ging. Gates hatte die Korrespondenz mit den Worten "Warum hilft die IBM Lotus so sehr? Können wir irgend etwas dagegen tun?" losgetreten. Kempin antwortete damals: "Ich bin zu allem bereit, was sie aus dem Rennen wirft. Allerdings brauchen wir wohl eine weltweite Spezialeinheit, um IBM als großen Account anzugehen." Der Vice-President schlug vor, man solle doch einige Windows-Kunden dazu benutzen, Druck auszuüben. Gates zeigte wie schon mehrfach zuvor massive Gedächtnislücken. Auf die Frage von Bundesanwalt David Boies: "Was war mit 'weltweite Spezialeinheit' gemeint?" antwortete der Microsoft-Boß mit: "Ein Verkäufer". Als Boies nachhakte: "Ist Ihnen klar, daß Mr. Kempin hier vorschlägt, OEM-Druck auf IBM auszuüben?" antwortete er: "Nein, ich denke, er schlägt überhaupt nichts vor". An die E-Mail als solche konnte sich Gates ebenfalls überhaupt nicht erinnern.