Web

 

Gartner: Keine Entspannung im PC-Markt

04.11.2005
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die PC-Hersteller müssen sich Gartner zufolge darauf einstellen, dass der Wettbewerbsdruck weiter steigen wird.

Die Preise für Desktops und Notebooks kennen seit jeher nur eine Richtung - abwärts. Was den Kunden entgegenkommt, sorgt auf der Gegenseite für Kopfzerbrechen. PC-Hersteller müssen immer mehr Geräte verkaufen, um den Preisverfall zu kompensieren. Dies wiederum beschleunigt den Preisverfall. Selbst schlanke Anbieter wie Dell haben es zuletzt an der Börse gespürt, was es bedeutet, die Ergebnisziele nicht erreichen zu können. Die Schraube dreht sich immer schneller, denn die Anbieter haben in den vergangegen Jahren ihre Käufer erfolgreich dahingehend konditioniert, dass sie in erster Linie auf den Preis achten. Andere Differenzierungsmerkmale gibt es kaum noch.

Einzig die Ausrüster Microsoft und Intel haben sich bis dato von dem Abwärtstrend entkoppeln können. Ihre Prozessoren, Chipsätze und Betriebssysteme sind weitgehend preisstabil geblieben - zumindest in Relation zu den Aufwendungen für ein Gesamtsystem. Doch dies muss nicht so bleiben, berichten die Marktforscher von Gartner. Sie gehen davon aus, dass der Preiskampf auch seine Spuren im Wintel-Lager hinterlassen wird. PC-Hersteller seien kaum noch in der Lage, die internen Kosten zu reduzieren. Folglich müssten sie Gartner zufolge alles daran setzen, die "Fixkosten" für Prozessoren und Betriebssysteme zu senken.

Die entscheidende Frage für die PC-Industrie ist, wie schnell dies gelingen kann. Gartner geht davon aus, dass die Kosten für Prozessoren und Betriebssysteme zuerst graduell sinken, bevor womöglich auch hier der große Preisrutsch einsetzt. Schlechte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ein zögerliches Ersatzgeschäft könnten die Entwicklung noch beschleunigen. Erschwerend hinzu kommen die diffusen Auswirkungen der sich anbahnenden PC-Virtualisierung. Hierbei wird die Hardware mittels einer Abstraktionsschicht von der Anwendungssoftware entkoppelt. Solange kein branchenweiter Standard für die PC-Virtualisierung entwickelt sei, steige das Risiko der PC-Hersteller, auf das falsche Pferd zu setzen. Unter Druck geraten dürfte die Nachfrage nach Rechnern, denn mehrere PCs mit verschiedenen Betriebsystemen sind dann unter Umständen überflüssig.

Allerdings hat die Medaille wie immer auch eine zweite Seite: Ein Nachteil der Virtualisierung besteht darin, dass die Rechner mit mehr Ressourcen ausgestattet sein müssen und insbesondere mehr Hauptspeicher brauchen. Es droht ein größerer Overhead, der auch bei der Prozessorvirtualisierung entsteht und die Leistung des Rechners mindert. Dem wollen die Chiphersteller AMD und Intel mit neuen Prozessortechniken begegnen. Diese dürften vorerst wieder auf einem hohen Preisniveau angeboten werden. Ob sich die PC-Virtualisierung zudem im privaten Massenmarkt durchsetzt, muss abgewartet werden. (ajf)