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Gartner: Fünf Gründe warum Offshore-Projekte scheitern

23.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach Einschätzung der Marktforscher von Gartner werden Unternehmen weltweit bis zum Jahr 2007 rund 50 Milliarden Dollar für Offshore- und Nearshore-Outsourcing ausgeben. Allerdings, so prophezeien die Auguren, könnten viele der Projekte wegen mangelhafter Planung scheitern. Firmen würden oft überhastet Outsourcing-Deals abschließen, in der Hoffnung, Wettbewerbsvorteile zu erlangen und die Kosten zu senken. Gartner hat fünf Aspekte identifiziert, die Anwender bedenken müssten:

1.

Kosteneinsparungen: Laut Gartner reiche es nicht aus, nur auf die Löhne zu achten. Zwar verdiene ein IT-Mitarbeiter in Indien nur rund ein Drittel dessen, was ein gleichwertiger Angestellter beispielsweise in den USA bekomme. Auf die Unternehmen kämen jedoch zusätzliche Kosten zu, beispielsweise für Kommunikation, IT-Infrastruktur, Reisen und Trainings. Offhore-Deals unter einem Jahr würden sich nicht auszahlen, so das Fazit. Aber auch im Rahmen von längerfristigen Deals ließen sich die Einspareffekte meist nur langsamer realisieren als ursprünglich erhofft.

2.

Produktivitätsverluste: Die Offshore-Mitarbeiter sind meist nicht so produktiv wie das eigene interne Personal, so die Vermutung der Gartner-Analysten. So seien die Mitarbeiter an den Offshore- und Nearshore-Standorten neu und unerfahren und müssten erst eingearbeitet werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich die Verlagerung von Arbeitsplätzen negativ auf die Moral der eigenen Mitarbeiter auswirke.

3.

Management-Unterstützung: Das Management eines Unternehmens verliert die Offshore- und Nearshore-Projekte meist schnell aus dem Auge, wenn die Verträge erst einmal unter Dach und Fach sind, monieren die Marktforscher. Um die Vorhaben jedoch zum Erfolg zu führen, sei es notwendig, am Ball zu bleiben und die dahinter stehende Strategie konsequent fortzuführen. Außerdem müssten die Verantwortlichen dafür sorgen, dass Ziele und Erwartungen klar definiert und an alle betroffenen Mitarbeiter kommuniziert werden.

4.

Kulturelle Differenzen: Unterschiedliche Vorstellungen über Kommunikations- und Umgangsformen können Probleme verursachen, warnt Gartner. Deswegen müssten sich Firmen, die Offshore-Projekte planen, das notwendige Expertenwissen über die kulturellen Unterschiede aneignen und die eigenen Mitarbeiter entsprechend schulen.

5.

Fehlende Offshore-Erfahrung: Viele Firmen gingen überhastet an Offshore-Projekte heran, mutmaßen die Analysten. Die Dienstleister benötigten jedoch Zeit, um die notwendige Infrastruktur aufzubauen und die Mitarbeiter einzuweisen. Außerdem müssten sich beide Seiten über potenzielle Risiken klar werden und vereinbaren, wie damit umgegangen werden soll.

Offshore-Anbieter sollten verstärkt darauf hinarbeiten, ihren Kunden die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten nahe zu bringen, fordern die Analysten. Ausgereifte Prozesse basierten auf einer standardisierten Methodologie, sicheren Mechanismen für Veränderungen, detaillierten Service Level Agreements (SLAs) und gut ausgebildeten Mitarbeitern. Schwächen in diesen Bereichen führten in aller Regel auch zu unbefriedigenden Offshore-Resultaten, so die nüchterne Bilanz Gartners. (ba)