Private Cloud wird zum Auslaufmodell

Gartner: Die Zukunft gehört der Public Cloud

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Auf lange Sicht werden Unternehmen die Vorteile der Public Cloud erkennen und sich von Private-Cloud-Szenarien verabschieden. Das prophezeien die Analysten von Gartner. Die weltweiten Umsätze mit Public-Cloud-Services werden demnach in diesem Jahr um 17 Prozent auf 208,6 Milliarden Dollar steigen.

Schon jetzt entfallen 5,7 Prozent der weltweiten IT-Ausgaben auf Public-Cloud-Services, berichtet Gartner in einer aktuellen Studie. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil auf 9,3 Prozent und ein Umsatzvolumen von 381 Milliarden Dollar wachsen. Die Analysten sprechen denn auch von einem regelrechten "Cloud Shift".

„Langfristig wird es eine stetige Entwicklung hin zu Public-Cloud-Services geben", erwartet Gartner-Analyst Sid Nag.
„Langfristig wird es eine stetige Entwicklung hin zu Public-Cloud-Services geben", erwartet Gartner-Analyst Sid Nag.
Foto: Gartner

Jüngsten Erhebungen zufolge planen 80 Prozent der Organisationen weltweit den Einsatz von Diensten aus der Public Cloud. Ende 2015 habe der Wert noch bei 45 Prozent gelegen. Auch wenn auf absehbare Zeit noch Private- und Hybrid-Cloud-Szenarien in den Unternehmen dominierten, sei die Entwicklung klar absehbar, schreiben die Analysten Ed Anderson und Sid Nag: "Langfristig wird es eine stetige Entwicklung hin zu Public-Cloud-Services geben." Zwar wiesen Private-Cloud-Installationen viele Charakteristika einer Public Cloud auf. Doch in Sachen Skalierbarkeit, Effizienz und Innovationen könnten sie auf lange Sicht nicht mit den Vorteilen von Public-Diensten mithalten. Zu erwarten sei deshalb, dass viele Workloads, die derzeit in einer Private Cloud laufen, in die Public Cloud verlagert oder gar ausgetauscht würden.

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Public Cloud als Grundlage digitaler Geschäftsprozesse

Interessante Erkenntnisse fördern die Gartner-Umfragen auch zu den Gründen für die Cloud-Nutzung zutage. "Unternehmen, die Public-Cloud Services einsetzen, sparen durchschnittlich 14 Prozent ihres Budgets ein", berichtet Nag. Das habe der "Cloud Adoption Survey" aus dem Jahr 2015 ergeben. Dennoch sind Kosteneinsparungen im Gegensatz zum Vorjahr nicht mehr der wichtigste Grund für den Einsatz von Public Cloud Services. Ganz oben auf der Liste steht nun die IT-Modernisierung, gefolgt von Kosten, Innovation und Agilität (siehe Grafik). Nag sieht darin eine bedeutende Veränderung, denn "der Fokus auf IT-Modernisierung deutet auf einen durchdachteren und strategischeren Einsatz von Public-Cloud-Services hin". Den Unternehmen gehe es offenbar nicht mehr nur darum, taktische Vorteile wie etwa Kosteneinsparungen zu erzielen. Vielmehr nutzten sie Cloud-Dienste verstärkt dazu, eine modernere IT-Umgebung aufzubauen, die die strategische Grundlage für neue Applikationen und digitale Geschäftsprozesse bilden könne.

Die Modernisierung der IT hat sich zum wichtigsten Grund für den Einsatz von Public-Cloud-Services entwickelt und damit das Kostenthema verdrängt.
Die Modernisierung der IT hat sich zum wichtigsten Grund für den Einsatz von Public-Cloud-Services entwickelt und damit das Kostenthema verdrängt.
Foto: Gartner

Umfrage zu CRM in der Cloud

Keine Veränderung gibt es laut Gartner hingegen bei den wahrgenommenen Cloud-Hürden. Wie schon 2014 nannten 63 Prozent der befragten Organisationen Security- und Privacy-Bedenken als die wichtigsten Gründe, die gegen einen Cloud-Einsatz sprechen. Erst mit großem Abstand folgen andere Aspekte wie die Integration von Daten und Anwendungen, Compliance-Probleme oder eine drohende Abhängigkeit vom Cloud-Provider. Die Gartner-Experten wiederholen an dieser Stelle ihre bekannten Argumente: Die von den führenden Public-Cloud-Anbietern bereitgestellten Services seien sicher. Die eigentliche Security-Herausforderung liege darin, wie die Unternehmen diese Dienste nutzten. Vor allem die Provider ständen hier in der Pflicht, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

IaaS-Dienste wachsen 2016 um 43 Prozent

Betrachtet man die einzelnen Segmente des Public-Cloud-Markts, wird einmal mehr das große Potenzial von Infrastruktur-Diensten deutlich. Die weltweiten Umsätze im Bereich Infrastructure-as-a-Service (IaaS) werden nach der aktuellen Gartner-Prognose in diesem Jahr um satte 42,8 Prozent zulegen. Für das Segment Cloud Application Services beziehungsweise Software-as-a-Service (SaaS) erwarten die Auguren ein Umsatzwachstum von 21,7 Prozent auf 38,9 Milliarden Dollar. Auch im Bereich Cloud Infrastructure Services, zu dem Gartner Platform-as-a-Service (PaaS) zählt, wachse die Nachfrage. In diesem Kontext würden künftig auch mehr Datenbanken in der Public Cloud betrieben. Bis zum Jahr 2020 könnten Cloud-basierte Datenbank-Management-Systeme (DBMS) 9 bis 10 Prozent des gesamten DBMS-Markts auf sich vereinen, so die Prognose.

Hybrid Cloud und Multi Cloud fordern CIOs heraus

Der Weg in die Public Cloud führt in den Unternehmen über hybride und Multi-Cloud-Szenarien, erwartet Gartner. Denn nicht nur der Public-Cloud-Markt wächst. Mindestens bis 2017 finden laut Gartner auch Private- und Hosted-Private-Cloud-Umgebungen eine zunehmende Verbreitung. Kombiniert mit Public-Cloud-Diensten, die womöglich noch von mehreren Providern bezogen werden, entständen immer mehr komplexe Hybrid-Cloud-Umgebungen (siehe Grafik).

Eine Hybrid Cloud ist in vielen Unternehmen heute Realität.
Eine Hybrid Cloud ist in vielen Unternehmen heute Realität.
Foto: Gartner

Eine koordinierte und kontrollierte Nutzung der verschiedenen Dienste könnten IT-Verantwortliche nur über eine ausgefeilte Strategie in den Griff bekommen, geben die Analysten zu bedenken. Hier ergeben sich neue Herausforderungen, die nicht wenige Cloud-Interessierte vor derartigen Szenarien zurückschrecken lassen. Am meisten Sorgen bereiten den von Gartner befragten Organisationen die Themen Integration und inkompatible Anwendungen. In vielen Fällen fehle es zudem an geeigneten Management-Tools und APIs. Last, but not least beklagen IT-Verantwortliche die mangelnde Unterstützung durch die Provider. Für die Anbieter ergäben sich dadurch neue Chancen, so Gartner. Wer die wachsende Nachfrage nach Hybrid-Cloud-Lösungen am besten abdecke, werde am Ende auch erfolgreich sein.