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Gartner: Deutsche CIOs müssen weiter sparen

16.02.2007
Während die IT-Leiter weltweit mit einem Anstieg ihrer Budgets von durchschnittlich drei Prozent rechnen, müssen viele deutsche CIOs den Gürtel enger schnallen.

Laut dem jüngsten CIO-Survey von Gartner rechnen die CIOs hierzulande für 2007 mit einem Rückgang ihrer Budgets um 1,1 Prozent. Diese Entwicklung ist nach Einschätzung von Gartner-Analyst Martin Plessow in erster Linie darauf zurückzuführen, dass etwa ein Drittel der IT-Leiter zum Teil signifikante Kürzungen hinnehmen muss. Die beiden übrigen Drittel gehen von stagnierenden Budgets beziehungsweise Erhöhungen von rund drei Prozent aus (siehe auch: IT-Budgets: Merrill-Lynch sieht rosa).

Gartner hat im Rahmen der CIO Agenda die Antworten von mehr als 1400 IT-Managern zu ihren Prioritäten und Budgeterwartungen ausgewertet. Das durchschnittliche Budget der Befragten beträgt den Analysten zufolge etwa 90 Millionen Dollar. Damit verfügen die Teilnehmer an dem Survey insgesamt über mehr als 100 Milliarden Dollar, die sie für IT ausgeben können.

In den Antworten der CIOs wurde unter anderem deutlich, dass die Erwartungen der Unternehmensleiter an die IT nicht unbedingt mit den Zielen der IT-Verantwortlichen übereinstimmen. Das Management verlangt von der IT einen größeren Beitrag zum Geschäftserfolg. Für über 60 Prozent der Unternehmen besitzt dieser Punkt höchste Priorität. Gartner zufolge setzen die Firmenchefs verstärkt auf Wachstum. Rund zwei Drittel der Befragten erklärten, sie wollten 2007 schneller wachsen als der Markt. Damit rückt die eigene Wettbewerbsfähigkeit vermehrt in den Fokus der Unternehmenslenker.

"Es wird erwartet, dass die IT mehr tut als bisher", erläutert Plessow. Um die Jahrtausendwende hatten die IT-Abteilungen einen Großteil ihrer Glaubwürdigkeit verspielt. In den darauffolgenden Jahren bis 2005 war das große Thema, Kosten einzusparen und effizienter zu wirtschaften. Das ist den CIOs Plessow zufolge in weiten Teilen gelungen. Außerdem hätten sie damit auch ihre Glaubwürdigkeit wieder erlangt. "Doch das reicht nicht aus", mahnt der Analyst. Es genüge nicht, nur einen effizienten IT-Shop zu betreiben. Die Business-Seite will einen konkreten Beitrag zum Geschäft sehen.

Doch nach wie vor gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Business-Anspruch und dem, wie die IT ihre Zeit verbringt, stellt Plessow fest. In den IT-Abteilungen fehle noch der Fokus auf die Business-Seite. Viele CIOs seien immer noch hauptsächlich auf der operativen Schiene unterwegs. Die IT-Leiter konzentrierten sich zu sehr auf den Service-Aspekt, um die eigene Effizienz zu steigern.

Das Thema Wachstum ist für die IT-Abteilungen indes nicht neu, meint der Gartner-Analyst. Die CIOs erzählten schon seit Jahren, dass dieses Thema wichtig ist. "Getan haben sie jedoch nichts." In den zurückliegenden Jahren seien viele IT-Leiter hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, die Kosten in den Griff zu bekommen. "Da blieb nicht viel Raum und Geld, sich mit innovativen Ideen zu beschäftigen." Das Management habe diese Haltung jedoch auch tolerieren müssen. Angesichts von Budgetkürzungen habe man in den Vorstandsetagen nicht erwarten können, dass die IT besonders kreativ und innovativ arbeitet. Das werde sich Plessow zufolge jedoch ändern (siehe auch: Schmerzhafte Veränderungsprozesse quälen die IT-Abteilungen).

Die CEOs erwarteten von den IT-Abteilungen, dass diese kurzfristig einen konkreten Beitrag zum Geschäftserfolg leisteten und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Firma steigerten. Die CIOs müssten sich Gartner zufolge deshalb darauf konzentrieren, die Geschäftsprozesse im Unternehmen effizienter zu unterstützen, um einmal die gesamten Kosten im Griff zu halten und auf der anderen Seite das operative Geschäft voranzubringen sowie mehr Kunden zu gewinnen.

"Die CIOs können nicht länger auf bewährte Maßnahmen setzen wie die Verbesserung betrieblicher Abläufe, die Senkung der IT-Kosten und Automation, um die Erwartungen der Unternehmen zu erfüllen", bestätigt auch Mark McDonald, Group Vice President von Gartner. "Um im Jahr 2007 erfolgreich zu sein, ist es erforderlich, das Unternehmen von anderen abzuheben, um Kunden zu gewinnen und zu halten." Dazu müssten sich die IT-Abteilungen neu aufstellen und darauf achten, die eigenen Mitarbeiter mit den notwendigen Fähigkeiten auszustatten (siehe auch: Vom Tekki zum Mekki).

Deshalb sind die Projekte, die Firmen weltweit angehen, zum größten Teil wachstumsorientiert, bekräftigt Gartner. Es gelte, neue Umsatzströme, neue Märkte und neue Kunden erschließen. Dieser Trend ist allerdings global wesentlicher deutlicher ausgeprägt als in Deutschland. Zwar sei es im vergangenen Jahr auch hierzulande konjunkturell besser geworden. Es dauere jedoch eine Weile, bis sich dies auch auf der IT-Seite bemerkbar mache.

An dem Trend, dass die IT ihren Beitrag zum Geschäft leisten muss, würden jedoch auch die deutschen CIOs nicht vorbei kommen, meint Plessow. Vielleicht funktioniere es hierzulande ein wenig langsamer und konservativer als global. Eine Alternative gebe es jedoch nicht.

Plessow geht davon aus, dass sich der anhaltende Aufschwung über kurz oder lang auch in den IT-Budgets niederschlagen wird. 2008 werde eine positive Entwicklung in Sachen IT-Budgets einsetzen, prognostiziert der Analyst. Ob es ein, zwei oder drei Prozent sein werden, hänge jedoch auch von der allgemeinen ökonomischen Situation und der Konjunkturentwicklung ab. Der Trend sei da: Gartner habe im vergangenen halben Jahr auch in Deutschland eine verstärkte Nachfrage nach neuen Technikthemen wie beispielsweise SOA gespürt. Er rechne deshalb damit, dass an dieser Stelle künftig deutlich mehr investiert werden wird. (ba)