Dritte Ära der IT

Gartner: CIOs von Digitalisierung überrannt

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Jeder zweite CIO könne mit dem Tempo der Digitalisierung nicht mithalten. Sie seien der dritten Ära der Enterprise IT nicht gewachsen, behauptet Gartner.

Die sonst so kühlen Analysten vom US-Marktforscher Gartner begeben sich ins Reich der Fabelwesen. "Taming the digital dragon: the 2014 CIO Agenda" nennen sie eine aktuelle Studie unter 2300 IT-Entscheidern weltweit. Die befragten Drachenbändiger zeigen sich allerdings mutlos.

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Das heißt in Zahlen: 51 Prozent der Studienteilnehmer äußern die Befürchtung, mit dem Tempo der Digitalisierung nicht Schritthalten zu können. 42 Prozent beklagen außerdem fehlende Skills. Gartner betrachtet die Digitalisierung als dritte Ära der Unternehmens-IT. Ein kurzer Rückblick auf die Gartner-Definitionen:

  • In der ersten Ära der Enterprise IT ging es um das Automatisieren von Abläufen. Prozesse wurden skalierbar, die IT konnte sie schneller und billiger machen. Der CIO konnte der Unternehmensleitung Daten bereitstellen, mit denen sie nie zuvor gearbeitet hatte. Um in der Märchen-Sprache zu bleiben: die IT vollbrachte beinah magische Dinge.

  • Um das Jahr 2000 herum begann die zweite Ära der Unternehmens-IT. Jetzt stand die Industrialisierung der IT an. CIOs sollten die IT-Leistung verlässlicher, vorhersagbarer, offener und transparenter gestalten. Zugleich ließen ihnen Budget-Knappheit und wachsendes Risiko-Bewusstsein wenig Raum für Innovationen.

  • Derzeit bricht die dritte Ära an und bringt grundlegende Änderungen mit sich, Stichworte sind das Internet der Dinge oder Cloud Computing. CIOs müssen ihr Unternehmen darin unterstützen, im Zuge der Digitalisierung komplett neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Neue Industrien werden entstehen.

Dabei wischen die neuen Anforderungen alte nicht vom Tisch, betont Gartner. CIOs stehen 2014 vor zwei Aufgaben: einerseits das Paradigma der Digitalisierung mitgestalten, andererseits immer noch für Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen sorgen. Das erfordere zwei verschiedene Fertigkeiten.

Nicht mehr Kollege, sondern Chef

Graham Weller, Vice President und Executive Partner bei Gartner, rät IT-Chefs zu einem neuen Umgang innerhalb der Firma. Haben CIOs in der Vergangenheit gelernt, den Anwender als Kunden und die Entscheider aus den Fachabteilungen als Kollegen zu betrachten, müssen sie sich nun in eine Führungsrolle entwickeln. Es ist die des Digital Leader.

Gartner mag den CIOs wachsende Bedeutung innerhalb der Unternehmen zuschreiben - die Budgets wachsen nicht mit. Wie die Analysten in einer anderen Studie erhoben, stagnieren die Etats. Die Situation sei "herausfordernd", kommentieren die Analysten.

Welche Projekte CIOs planen

Die Studienautoren haben IT-Chefs nach ihrem konkreten Vorgehen im neuen Jahr befragt. Auch dazu ein paar Zahlen:

  • Service-Provider werden sich neu aufstellen müssen, denn sieben von zehn CIOs geben an, ihre Outsourcing-Verträge zu überprüfen. Sie interessierten sich nun vor allem für die Zusammenarbeit mit kleineren Spezialisten und Start-Ups.

  • Fast jeder Zweite (45 Prozent) setzt auf agile Methoden. Sie wollen stärker in abteilungsübergreifenden Teams arbeiten.

  • Cloud Computing bleibt ein Thema. Jeder Vierte gibt an, bereits "signifikante" Investitionen in die Cloud getätigt zu haben und viele Befragte erwarten, dass bis 2020 mehr als die Hälfte des Betriebs über die Cloud laufen wird.

Gartner will CIOs aber nicht mutlos sehen. Wer den Drachen Digitalisierung zähme, der ermögliche seinem Unternehmen immense neue Wertschöpfungsmöglichkeiten und erneuere seine eigene Rolle, versichern die Analysten.