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Gartner blickt in die Glaskugel für 2002

14.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auch die Analysten von Gartner haben einen kollektiven Blick in die Glaskugel des angebrochenen IT-Jahres gewagt. Herausgekommen sind dabei die üblichen "Top 10 Predictions" sowie sieben Einzelabhandlungen zu Spezialgebieten (IT-Industrie, Unternehmensinvestitionen, Business Applications, IT-Infrastruktur, Sourcing und IT-Services, Vertikale Industrien, Software-Infrastruktur).

Ihre Top-10-Prognosen haben die Experten in drei Hauptbereiche aufgeteilt:

"Externe Kräfte"

Der IT-Industrie stehen weiterhin schwere Zeiten mit beschleunigten Entlassungen und signifikanter Konsolidierung ins Haus;

die Sicherung von Mitarbeitern, Wissen, Systemen und Nationen bekommt Priorität;

die Verbraucher gehen endlich wirklich online - die Zahl der Online-Konten soll sich beispielsweise bis 2005 verdoppeln.

"Geschäftsgebaren"

Die kurzfristige Fokussierung auf die Ausgabendisziplin engt die IT-Abteilungen ein, obwohl gleichzeitig die Anforderungen der Fachabteilungen wachsen;

Outsourcing und vertrauenswürdige Dienstleister übernehmen mehr Kontrolle, weil Kapitalausgaben zugunsten knapperer Budgets sinken;

noch bis ins Jahr 2004 werden Unternehmen CRM (Customer Relationship Management) als kritische Komponente ihrer Strategie ansehen.

Anwendungen und Techniktrends

Trotz Budgetzurückhaltung muss die operative IT-Infrastruktur auch 2002 kritische IT-Initiativen antizipieren und ausführen;

mehr als 50 Prozent aller zu Beginn des Jahres eingeführten mobilen Anwendungen werden Ende des Jahres bereits überflüssig sein;

bis 2004 werden bei großen Anwendern Web-Services die neu eingesetzten Applikationen dominieren;

"Leading-edge"-Anwender werden bereits 2002 die Integration von Anwendungen für geschäftliche Innovationen nutzen.

Analyst Roger Fulton hat sich eingehender mit dem Thema "Was steht der IT-Industrie bevor" befasst. Der Markt sei teilweise regelrecht "eingestellt", mutmaßt der Experte. Die Anwender hätten Kauf- und Investitionsentscheidungen auf Eis gelegt oder auf direkte Auswirkungen untersucht. Clevere Hersteller könnten diese Chance aber nutzen und bis zum Jahr 2004 ihren Marktanteil signifikant ausbauen. Nachdem 2001 rund 250 Milliarden geplante IT-Dollar nicht ausgegeben worden seien, dürfe die Branche aber in diesem Jahr mit sieben Prozent und 2003 mit zehn Prozent Wachstum rechnen. Für die im vergangenen Jahr massiv eingebrochene Halbleiterindustrie erwartet Fulton heuer eine Nullrunde beim Umsatzwachstum.

Diane Morellos Schwerpunkt heißt "Business-Ausgaben für IT". Die Gartner-Frau erwartet, dass das kommende Jahr im Zeichen von Vorsicht und Skeptizismus steht. Viele Unternehmen würden zunächst kurzfristig den RoI (Return on Investment) in den Vordergrund stellen. Wenn sich die Gesamtwirtschaft wieder erhole - und damit rechnet Gartner ab Mitte des Jahres - gerieten die IT-Abteilungen mit ihren in Krisenzeiten gedeckelten Budgets zunehmend unter Druck. Das Jahr 2002 werde im Bereich der Investitionen von Collabtoration, Sicherheit und Privatsphäre stehen - und damit auch die entsprechenden Entscheidungen, das Management und die Umsetzung seitens der DV-Abteilungen.

Im Bereich Unternehmensanwendungen erwartet Analyst Daniel Miklovic einen Paradigmenwandel von funktionsspezifischen Tools hin zu einer weiteren Infrastruktur-Ebene. Die Anbieter würden vermehrt Lösungen anstelle von Werkzeugen offerieren. Allerdings dürften die Ausgaben für Enterprise Applications 2002 nicht allzu üppig ausfallen. Außerdem werde ab dem kommenden Jahr ein Trend erwachsen, in dessen Rahmen Anwendungen vermehrt zum "Betriebssystem" für Unternehmen werden. Bis 2004 würden führende Hersteller (Miklovic listet SAP, Oracle, Peoplesoft und Siebel als potenzielle Kandidaten) solche "Business Operating Systems" entwickeln. Auch werden nach Ansicht des Experten analytische Anwendungen verstärkt in den Mittelpunkt rücken.

Für den Bereich IT-Infrastruktur rechnet Mark Nicolett mit einem Schwerpunkt auf Kostensenkung und taktischen Investitionen. In der Folge stehe den Anbietern von Hardware, Software und TK-Ausrüstung erneut ein schweres Jahr ins Haus. Als weitere Schwerpunkte hat der Gartner-Mann Lifecycle-Management (vor allem bei der Hardwarebeschaffung), die Betonung von Sicherheit und Beweglichkeit sowie die Notwendigkeit ausgemacht, Kern-Infrastrukturprojekte durchzuziehen.

Die Prognosen von David McCoy für den Bereich Software-Infrastruktur lassen erwarten, dass bei den Anwendern die Themen Web-Services, mobile und drahtlose Anwendungen, Business Intelligence und andere so genannte "Emerging Technologies" (z.B. Biometrie, Spracherkennung, Instant Messaging) im Vordergrund stehen. Große Bedeutung komme ferner der Enterprise Application Integration (EAI) zu, die zunächst auf ein "Enterprise Nervous System" aus verknüpften Anwendungen und letzten Endes auf "Business Activity Monitoring" hinausliefen, die Überwachung der Geschäftsprozesse und Reaktionen darauf in Echtzeit.

Die vollständigen (englischsprachigen) Abhandlungen der Gartner-Analysten finden Interessierte hier. (tc)