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Gartner bezweifelt Erfolg der HP-Compaq-Fusion

06.09.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das US-Marktforschungsunternehmen Gartner hält es für unwahrscheinlich, dass die geplante milliardenschwere Fusion von Hewlett Packard (HP) und Compaq Computer (Computerwoche online berichtete) tatsächlich vollzogen wird. Diese Einschätzung gaben die Analysten am gestrigen Mittwoch bekannt. Gartner zufolge existieren zu viele Schwierigkeiten, als dass die Übernahme von Compaq durch HP abgeschlossen werden könnte:

Einen Stolperstein sehen die Auguren vor allem in der benötigten Zustimmung der Kartellbehörden. Die Entscheidungsfindung der Regulierer könnte bis zu neun Monaten dauern. Das hätte Folgen für die HP- und Compaq-Kunden, die investieren müssten, ohne zu wissen, ob die von ihnen bevorzugten Produkte langfristig im Portfolio bleiben.

Zudem stellten die durch die Fusion anvisierten Kosteneinsparungen von 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2004 lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein dar: Sie machten nur drei Prozent der gemeinsamen Jahreskosten von HP und Compaq aus.

Eine große Hürde sieht Gartner ferner in den zahlreichen Produktüberschneidungen: So muss der fusionierte Konzern vier Server-Architekturen, sieben Betriebssysteme, vier Speichersysteme und mehrere Service-Zweige unter einen Hut bringen.

Beide Unternehmen hätten sich bislang schwer damit getan, die Konflikte zwischen ihren direkten und indirekten PC-Vertriebskanälen auszuräumen. Als fusionierter Konzern werde die Lage noch komplexer, da zwei Geschäfte und zwei Marken verwaltet werden müssen.

Sowohl HPs als auch Compaqs Serviceeinheiten haben sich bislang hauptsächlich im Bereich Hardware-Support getummelt. Um künftig auch in den schnell wachsenden Gebieten Beratung, Systemintegration und Outsourcing Fuß zu fassen, sind Gartner zufolge erhebliche Investitionen notwendig.

Bislang haben HP und Compaq Entlassungen von 15.000 Mitarbeitern angekündigt. Gartner geht jedoch davon aus, dass die Konzerne letztendlich deutlich mehr Stellen streichen werden, um ihre Kosteneffizienz zu steigern. Mittelfristig sei besonders mit einem Arbeitsplatzabbau in der asiatisch-pazifischen Region zu rechnen.

Generell erteilt Gartner beiden Firmen schlechte Noten für die Art, in der sie den Deal bekannt gaben. Die Vorteile der Akquisition seien gegenüber den Risiken nicht überzeugend dargestellt worden. Die Anleger, die der Fusion im übrigen auch noch zustimmen müssen, scheinen dies ähnlich zu sehen: Allein am vergangenen Dienstag sank die HP-Aktie um 19 Prozent auf 18,87 Dollar. Compaq büßte zehn Prozent ein und notierte bei 11,08 Dollar. Auch am gestrigen Mittwoch gaben beide Titel noch einmal nach: HP schloss bei 18,21 Dollar, Compaq bei 10,40 Dollar.