Internes Social Media

Gartner: 80 Prozent des Geldes verpuffen

20.02.2013 | von 
Bettina Dobe
Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
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Noch gehen die meisten Investitionen in Firmeninterne Netzwerke verloren. Viele unterschätzen, wie sich die Firmenorganisation wegen Social Media ändern muss.

Unternehmen werden im Lauf der nächsten fünf Jahre stark auf Firmen-interne Netzwerke setzen. Sie werden die primären Plattformen sein, über die Informationen gesammelt und verarbeitet werden, über die also alle Projekte ablaufen. So sieht die nahe Zukunft aus, glauben die Analysten von Gartner. Im "Report Predicts 2013: Social and Collaboration Go Deeper and Wider" stellen sie vor, wie die Zukunft für Social Business aussieht. Und die ist am Anfang noch nicht sehr rosig.

Soziale Firmen-Netzwerke

Die Chefs sind der Schlüssel, damit sich das Social Business lohnt, glaubt Gartner-Analystin Carol Rozwell.
Die Chefs sind der Schlüssel, damit sich das Social Business lohnt, glaubt Gartner-Analystin Carol Rozwell.
Foto: Gartner Pictures

In drei Jahren werden die Hälfte der großen Unternehmen Facebook-ähnliche Netzwerke entwickelt haben. Etwa ein Drittel der Unternehmen betrachtet diese Art der Interaktion so wichtig wie E-Mail und Telefon. In den nächsten fünf Jahren, rechnen die Analysten von Gartner, werden Social, Mobile und Gamification zu einer Einheit verschmelzen. Die Endnutzer wird das freuen: Sie kommen mit Enterprise Content Management (ECM) kaum noch in Kontakt und können sich so auf das Wesentliche konzentrieren.

Der Vorteil der Sozialen Firmennetzwerke: Über sie könne die Kommunikation effizienter ablaufen, heißt es in der Analyse. Relevante Informationen kommen schneller da an, wo sie hingehören, Projektgruppen können sich schneller und effizienter organisieren. Aber die Einführung gestaltet sich schwierig, denn viele fürchten die Umstellung und die potenziellen Risiken, wie etwa fehlende Standardisierung, Mitarbeiter in Verweigerungshaltung und Sicherheitsrisiken.

Anfangs laufen Investitionen ins Leere

Aber so richtig in die Gänge kommt das Social Business erst mal nicht, glauben die Analysten von Gartner. Die meisten Investitionen, 80 Prozent nämlich, verpuffen sinnlos. Erst ab 2016 würde sich das Social Business lohnen, obwohl allen klar ist, dass eine offenere Kommunikation nur zu besseren Ergebnissen führen kann. Den Grund dafür sehen die Berater in unfähigen Chefs, die sich nicht an Neues anpassen wollen, und darin, dass zu viel Wert auf die Technologie gelegt wird.

Doch die meisten Unternehmen unterschätzen, wie sehr Social Media auch eine Veränderung in der Firmenorganisation braucht, wenn die Netzwerke tatsächlich erfolgreich eingesetzt werden sollen. Denn ganz so simpel ist die Umstellung nicht. Das Social Business muss schließlich die komplette Infrastruktur der Firma einbezogen werden, schreiben die Analysten von Gartner. Nicht die einzige Hürde, die Unternehmen überwinden müssen.

Kaum Führungskompetenz

Noch hapert es: Nur elf Prozent aller Unternehmen bezieht die Anstrengungen, ein Social Business zu werden, überhaupt in ihre Strategie mit ein, schreibt Gartner-Analystin Carol Rozwell. Noch legen die Firmen viel zu großen Wert auf die Inhalte, anstatt sich auf eine ordentliche Führungskompetenz in diesem Bereich zu einigen. Das Problem: Ein Social Business führt sich ganz anders.

Foto: hoperan, Shutterstock.com

Bisher gab es, etwa für ERP und ECM- Software, einen "Rollout": Die Mitarbeiter bekamen ein Training und dann mussten sie mit dem Programm arbeiten, egal, ob sie wollten oder nicht. Das funktioniert nur leider mit Social Business nicht, glaubt Rozwell. "In den meisten Fällen können die Mitarbeiter nicht dazu gezwungen werden, Social Apps zu verwenden - sie müssen sich freiwillig dazu entscheiden", schreibt sie in ihrer Analyse. Für Firmen-interne Netzwerke gilt eher der "pull"- als der "push" Ansatz.

Das verlangt auch den Chefs einiges an Führungskompetenz ab. Sie müssen herausfinden, wie sich Netzwerke positiv auf die Arbeitsweise der Kollegen auswirken könnten und sie müssen wissen, wie ihre Mitarbeiter mit den Kollegen zusammen arbeiten und was sie für eine erfolgreiche Zusammenarbeit brauchen können. Erst dann können sich solche Investitionen auch lohnen.

So lohnt sich die Investition

"Es reicht nicht, das Projekt bloß zu sponsern", mahnt Rozwell an. Chefs müssten eine Umgebung schaffen, die eine Zusammenarbeit fördert. Manager müssten, so Rozwell, mit gutem Beispiel vorangehen, um eine offene und transparente Arbeitsweise, wie sie das Social Business erfordert, zu fördern. Und noch etwas kommt hinzu: Die Betonung liegt auf Social, nicht auf Business. Das heißt, glaubt Gartner, dass der Inhalt zunächst mal Nebensache ist. "Die Leute mögen vergessen, was jemand gesagt hat, aber nicht, welche Meinung sie von ihm hatten", heißt es in der Analyse. Erst wenn Führungskräfte das alles beachten, rechnen sich die Investitionen ins Social Business.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der CW-Schwesterpublikation CIO.de. (mhr)