Apps, die süchtig machen

Gaming-Prinzipien fürs Business

Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Das Funktionsprinzip von Gaming-Apps lässt sich ganz hervorragend auf Business-Applikationen und -Prozesse übertragen. Warum das positive Auswirkungen auf Ihr Geschäft haben sollte? Wir verraten es Ihnen.

Stellen Sie sich vor, Sie würden jetzt gerade erfahren, dass Sie den ganzen Tag auf Ihr Smartphone verzichten müssen. Wie fühlt sich das an? Sie glauben, dass Sie süchtig nach Ihren Devices sind? Weil es vermutlich auch so ist. Denn wirklich erfolgreiche Apps - egal ob nun im Desktop-, Mobile- oder Gaming-Bereich - funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip: Sie sind darauf ausgelegt, bestimmte Neurotransmitter in unserem Gehirn auszuschütten, die uns glücklich machen, uns Konnektivität "fühlen" lassen - und dafür sorgen, dass wir zurückkommen, weil wir mehr wollen. Immer und immer wieder.

Business-Apps und der Hormonhaushalt

Was wäre, wenn man ein solches Konzept ganz bewusst dazu einsetzt, positive Verhaltensweisen am Arbeitsplatz zu fördern? Es ist ohne weiteres möglich, Business-Applikationen mit einem ähnlichen Design auszustatten, um diesen Effekt zu erhalten. Das gilt auch für Applikationen, die vermeintlich trockene Prozessen wie rechtliche Prüfungen oder die Durchsetzung von Versicherungsansprüchen erleichtern.

Um die Technologien schaffen zu können, die die Kommunikation und Kollaboration in Unternehmen effizienter machen, sollten wir uns jedoch zunächst einige Zusammenhänge und Dynamiken zwischen Neurowissenschaft, Psychologie und kognitivem Verhalten vergegenwärtigen. Es gibt vier verschiedene, positive Neurotransmitter, die unser Körper ausschüttet:

Dopamin

Das "Gutfühl"-Hormon sorgt dafür, dass Sie in Erwartung einer Belohnung motiviert bleiben: Technologie-Plattformen wie Facebook führen zur Produktion von Dopamin. Das tun sie, indem sie uns (und anderen) eine Kommunikationsplattform zur Verfügung stellen, die uns in Erwartungshaltung einer Belohnung bringt. Werden wir schließlich mit einem "Like", "Share" oder Kommentar "belohnt", führt dieses positive Erlebnis zu einem süchtig machenden "High", das uns immer wieder zu dieser Plattform zurückkehren lässt - in Erwartung weiterer, positiver Erlebnisse. Kurzum: Wir werden süchtig.

Unternehmensnetzwerke und andere kollaborative Applikationen bieten dieselben Möglichkeiten: Durch das Teilen von Inhalten erwarten wir Lob von unseren Kollegen oder Vorgesetzten, was zur Ausschüttung von Dopamin führt.

Oxytocin

Das "Liebes"-Hormon wird ausgeschüttet, wenn wir Vertrauen spüren, ein Kind bekommen, einen Orgasmus erleben oder auch wenn wir soziale Bindungserlebnisse erfahren - etwa gemeinsames Lachen.

Technologien, die auf Teambuilding und Collaboration ausgelegt sind, können ebenfalls zur Ausschüttung von Oxytocin führen. Business-Applikationen sollten zur gemeinsamen Erledigung von Aufgaben anregen und die Möglichkeit des positiven Feedbacks beinhalten. Sogar das Gefühl, wahrgenommen zu werden, lässt die Oxytocin-Produktion hochfahren.

Gruppenaktivitäten und Teambuilding-Maßnahmen gehören zu den bewährtesten Methoden, für die Ausschüttung von Oxytocin zu sorgen. Also realisieren Sie endlich den schon so lange geplanten Workshop außerhalb des Firmengeländes.

Sorgen Sie für Motivation unter Ihren Mitarbeitern - durch die gezielte "Provokation" von Hormonschüben.
Sorgen Sie für Motivation unter Ihren Mitarbeitern - durch die gezielte "Provokation" von Hormonschüben.
Foto: Antonio Guillem - shutterstock.com

Serotonin

Das Wohlfühl-Hormon Serotonin wird produziert, wenn wir uns wichtig fühlen oder bestimmte Ziele erreicht haben. Genauso wie gute Ernährung, Schlaf und körperliche Betätigung sorgt auch die Reflexion über Erfolge in der Vergangenheit und die Empfindung von Dankbarkeit für die Ausschüttung von Serotonin.

Technologien wie Fitness-Tracker, die einen gesunden Lebensstil fördern, oder Milestone-Tracking-Apps, die erreichte Erfolge erfassen, sorgen für einen Serotonin-Boost.

Endorphin

Endorphine sorgen dafür, dass wir physisch bedingte Müdigkeitsanfälle, Stress und Energiemangel überstehen. Der schnellste Weg zu einem gesteigerten Endorphin-Level: Humor und Lachen. Business-Apps, die Spaß machen, können so für eine Ausschüttung von Endorphinen sorgen.

Wenn Mitarbeiter-Motivation von alleine kommt

Da Sie jetzt die Zusammenhänge zwischen positiven Assoziationen und Suchtverhalten kennen, sollten Sie versuchen, bei ihren Mitarbeitern durch technologische Innovationen für die Ausschüttung von positiven Hormonen zu sorgen.

Machen Sie sich die Technologien zunutze, um Organisation und Community-Gedanken nach vorne zu bringen. So können Sie es schaffen, dass Ihre Mitarbeiter alle anstehenden Aufgaben des täglichen Business mit freudiger Erwartungshaltung angehen.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer US-Schwesterpublikation cio.com.