Steve Ballmer

Fusion von IBM mit Sun würde Microsoft helfen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Microsoft-Chef Steve Ballmer gibt sich angesichts der möglichen Übernahme von Sun Microsystems durch IBM gelassen.

"Wir konkurrieren auf vielen Feldern mit IBM und ich glaube nicht, dass sich daran etwas Entscheidendes ändern wird", erklärte Ballmer auf einer Presseveranstaltung in New York. Bis IBM den Zukauf von Sun inklusive der starken Überlappungen in etlichen Produktkategorien verdaut habe, würden mindestens ein oder zwei Jahre vergehen. Diese Zeit werde Microsoft nutzen.

Unter Berufung auf anonyme Insider hatten mehrere US-Medien am Mittwoch gemeldet, IBM wolle den Konkurrenten Sun für mindestens 6,5 Milliarden Dollar übernehmen. Eine erste Analyse zu den möglichen Auswirkungen einer Fusion finden Sie hier.

Mit einer Portion Sarkasmus bezeichnete Ballmer den Deal als gute "Exit-Strategie" für die Sun-Aktionäre, die seit dem Platzen der Dotcom-Blase und der weltweiten Finanzkrise dramatische Einbußen hinnehmen mussten. Tatsächlich stieg der Kurs des Sun-Papiers nach Bekanntwerden der Verkausfsgerüchte zeitweilig um mehr als 80 Prozent. Der Microsoft-CEO zweifelte zugleich den Sinn des Megadeals aus Sicht von IBM an. Sun besitze ein komplexes Portfolio an Hardware- und Softwareprodukten, das sich an vielen Stellen mit den Angeboten IBMs überschneide.

Die Kritik des streitbaren Microsoft-Managers kommt nicht überraschend. Sowohl IBM als auch Sun Microsystems gehören mit ihren vielfältigen Open-Source- und Linux-Initiativen seit jeher zu den Erzrivalen der Windows-Company. IBM konkurriert mit seinem breiten Softwarestack auf mehreren strategischen Feldern mit Microsoft. Dazu gehören etwa Middleware-Produkte, Entwicklungs-Tools, Datenbanken sowie Collaboration-Software. Eine besonders innige Feindschaft verbindet Microsoft mit Sun Microsystems. Diese fand in dem sieben Jahre lang schwelenden Rechtsstreit über die von Sun entwickelte Programmiersprache Java einen Höhepunkt. Im April 2004 einigten sich die Parteien. Microsoft bezahlte Sun zwei Milliarden Dollar für die Lizenzierung von Java.